Nach dem vorläufigen Scheitern der Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst in Baden-Württemberg soll der Streik am Donnerstag vielerorts ausgeweitet werden. Die Gewerkschaft ver.di kündigte an, dass in Baden-Württemberg der Ausstand in Städten, Gemeinden und Landkreisen ausgedehnt werde. Zudem sollen in Bremen erstmals fast alle Kindergärten geschlossen bleiben. Auch in anderen Ländern wollten wieder tausende Beschäftigte des öffentlichen Dienstes ihre Arbeit niederlegen. Dagegen rücken in Hamburg nach der dortigen Einigung im Tarifkonflikt die Müllwagen erstmals seit zwei Wochen wieder aus.

Die kommunalen Arbeitgeber in Baden-Württemberg und ver.di gaben sich am Mittwochabend gegenseitig die Schuld für das Platzen der Gespräche. Sie warfen sich vor, jeglichen Fortschritt blockiert zu haben und für den Abbruch verantwortlich zu sein. Ein neuer Gesprächstermin wurde nicht vereinbart.

Zuletzt hatten die Arbeitgeber ein altersspezifisch gestaffeltes Arbeitszeitmodell mit durchschnittlich 39,7 Stunden pro Woche vorgelegt. ver.di-Verhandlungsführer Alfred Wohlfart bezeichnete dies als unannehmbar. Er warf den Arbeitgebern eine "absolute Bunkermentalität" vor. Die Gewerkschaft hatte 38,8 Stunden - statt bisher 38,5 Stunden - für die 220 000 Beschäftigten befürwortet.

Wohlfart bat die Bevölkerung um Verständnis: ver.di kämpfe im Interesse aller gegen Schritte der Arbeitgeber, die die Massenarbeitslosigkeit noch verschärfen würden. Der Vorsitzende des Kommunalen Arbeitgeberverbandes (KAV), Gerhard Widder (SPD), sprach von einem "schwarzen Tag für den öffentlichen Dienst". ver.di trage den Streik weiter auf dem Rücken der Bürger aus.

Der für die 6000 Beschäftigten in Hamburg erzielte Abschluss war für das Flächenland Baden-Württemberg, aber auch für die anderen Länder kein Vorbild. Der Hamburger Kompromiss sieht eine Staffelung der Arbeitszeit nach Entgeltgruppen und Lebensalter vor. Zudem gibt es einen Bonus für Arbeitnehmer mit Kindern bis zwölf Jahren.

Der Vorsitzende der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), Hartmut Möllring (CDU), sagte: "Wir bleiben bei unserer Forderung von mindestens der 40-Stunden-Woche." Ver.di-Chef Frank Bsirske zeigte sich skeptisch, dass der Hamburger Abschluss Grundlage für eine weitergehende Einigung sein könnte: "Die Personalstrukturen sind sehr unterschiedlich." TdL und Gewerkschaften wollen ihre Verhandlungen am 10. März fortsetzen.