Den Eindruck des Zauderers wollte VW-Vorstandsvorsitzender Chef Bernd Pischetsrieder gar nicht erst aufkommen lassen: Von sich aus ließ er sich bei der Bilanz-Pressekonferenz des Volkswagen-Konzerns zu den sensiblen Themen ein, die viele mehr interessierten als die reinen Zahlen. Denn obwohl die Affäre um Lustreisen noch nicht ausgestanden ist, gibt es schon wieder neue Wirren: An der Konzernspitze ist ein Machtkampf entbrannt . Die Zukunft Pischetsrieders bei Volkswagen gilt als unsicher.

Pischetsrieder gab sich am Dienstag gleichwohl äußerlich unbeeindruckt: Dass der Konzern unregierbar geworden sei, wies er weit von sich. Er selbst denkt nicht an Rücktritt. "Warum sollte ich das tun?" Er wolle den Konzern zum Erfolg führen und für die Zukunft "wetterfest" machen.

Äußerungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch in der vergangenen Woche hatten für Aufregung gesorgt. Die Vertragsverlängerung Pischetsrieders sei eine "offene Frage", hatte Piëch gesagt, Pischetsrieder könnte auf Widerstand aus Reihen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat stoßen.

Die Vertragsverlängerung sei Sache des Aufsichtsrats, sagte Pischetsrieder nun und blieb zumindest nach außen hin unberührt. Außerdem betonte er die Einigkeit, die im Vorstand herrsche. "Wir sind uns alle einig, dass wir uns nicht werden auseinanderdividieren lassen." Die anstehenden Aufgaben ließen sich nur gemeinsam meistern.

Denn nur durch ein hartes Sparprogramm hat Volkswagen im vergangenen Jahr überhaupt noch Geld verdient. Ohne die 3,5 Milliarden Euro aus dem Programm "ForMotion" wäre VW sogar in die operative Verlustzone geraten. Besonders die Kernmarke VW Pkw  ist im vergangenen Jahr nur knapp Verlusten entgangen.

Pischetsrieder hatte die Arbeitnehmer zuletzt aufgeschreckt, als er ein tiefgreifendes Sanierungsprogramm ankündigte. Jede fünfte Stelle in den westdeutschen Werken könne davon betroffen sein. Die Komponentenfertigung werde neu geordnet und die Arbeitskosten müssten sinken. Dazu will vor allem auch VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard beitragen. Mit seiner Äußerung, auch die Schließung unrentabler Bereiche sei denkbar, brachte er den Betriebsrat gegen sich auf.