Die Innenminister der Union haben erneut verlangt, dass  die Bundeswehr für erweiterte Aufgaben im Inneren - beispielsweise bei der Fußball-Weltmeisterschaft - eingesetzt werden soll. Mit der dafür notwendigen Änderung des Grundgesetzes noch vor der Fußball-WM rechnen die Minister wegen des Widerstandes der SPD jedoch nicht mehr. "Es wäre schön, wenn die Bundeswehr die Polizei bei der WM etwa beim Schutz von US-Einrichtungen oder Flughäfen entlasten könnte, aber das geht ohne Grundgesetzänderung nicht", sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble am Freitag nach einer Konferenz mit seinen Unions-Länderkollegen in Wanzleben bei Magdeburg.

Der Bundesinnenminister betonte: "Wir sollten uns daher auf das konzentrieren, was jetzt möglich ist und alles Menschenmögliche tun, um die Sicherheit bei der WM auch so zu gewährleisten." Auch der Sprecher der Unions-Innenminister, Hessens Ressortchef Volker Bouffier (CDU), hält eine Grundgesetzänderung noch vor der WM, die vom 9. Juni bis 9. Juli stattfindet, für unrealistisch. Das ändere aber nichts an der Notwendigkeit. Es gebe Bedrohungslagen etwa aus der Luft oder auf See, denen die Polizei nicht gewachsen sei. Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins SPD-Innenminister Ralf Stegner hat die Forderung nach einem Bundeswehreinsatz zur WM keine Chance auf Verwirklichung.

Die Unions-Innenminister waren sich einig, dass Veranstaltungen zur Übertragung von WM-Spielen auf Großleinwänden per Video überwacht werden sollen. Außerdem verständigten sie sich auf einen besseren Datenaustausch, um Hooligans von WM-Spielen und Leinwandübertragungen fern zu halten. In einer bundesweiten Verbunddatei "Gewalttäter Sport" sind nach Angaben von Sachsen-Anhalts Innenminister Klaus Jeziorsky (CDU) derzeit rund 7000 Gewalttäter erfasst.

Zur Kontrolle ausländischer Hooligans stehen die Behörden laut Schäuble in engem Kontakt mit Sicherheitsbehörden und Verbänden der WM-Teilnehmer. Ausländische Fans würden begleitet und beobachtet. "Wir wollen aber eine Atmosphäre schaffen, die Eskalationen vermeidet", betonte Schäuble. Notfalls werde Deutschland auch von Ausnahmeregelungen des Schengener Abkommens Gebrauch machen und zeitweise Grenzkontrollen einführen.

Bei ihrer Konferenz in Sachsen-Anhalt verständigten sich die Unions-Innenminister auch darauf, dass Daten aus der Lkw-Maut zur Verfolgung schwerster Kriminalität herangezogen werden sollten. Zudem sprachen sie sich für ein Verbot der Produktion und des Vertriebs so genannter Killerspiele für Spielkonsolen und Computer aus.