Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will nach Medienberichten mit einer Kombination aus Kopfpauschale und Bürgerversicherung das Gesundheitswesen auf eine sichere Basis stellen. Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) sollen mit einer pauschalen Gesundheitsprämie künftig zehn Prozent der Kassenausgaben gedeckt werden.

Zur Höhe dieser Prämie gibt es unterschiedliche Angaben. Nach Berechnungen der FAS würde sie zwischen 25 und 30 Euro monatlich liegen, laut Spiegel bei nur 15 Euro. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus Koalitionskreisen sollen die Sätze zwischen 0 und 40 Euro je nach Kasse schwanken und im Schnitt bei 15 Euro liegen. Die verbleibenden Einnahmen der gesetzlichen Kassen sollen - wie bisher - über einkommensabhängige Beiträge aufgebracht werden.

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Christoph Böhr bezeichnete das Gelingen der Gesundheitsreform als Bedingung für den Erfolg der großen Koalition. Es müsse einen Kompromiss geben, sonst stelle sich die Frage nach der Existenzberechtigung des Bündnisses, sagte Böhr am Sonntag im Deutschlandfunk.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil sagte der Bild am Sonntag mit Blick auf die Gespräche zur Gesundheitsreform, er rechne mit harten Diskussionen in der Koalition. "Die SPD kommt mit ihren Vorstellungen zur Gesundheitsreform vom Nordpol, die CDU/CSU vom Südpol, und wir werden uns in Deutschland treffen." Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte in der Welt , die Reform des Gesundheitswesens gehöre zu den Projekten, die sie in Kürze angehen wolle.

Der FDP-Gesundheitspolitiker Daniel Bahr meinte, wenn die Pauschale komme, sei sie eine reine Mehrbelastung. Der Bürger werde belastet und seinen Versicherungsschutz gestalten dürfe er nicht. Ministeriumssprecher Klaus Vater sagte am Sonntag, alle jetzt umlaufenden Berichte seien "Mischungen aus Mutmaßungen und Rätseleien". Dazu gehörten auch Behauptungen, durch dieses Konzept würden 14 oder mehr Milliarden Euro aus der Staatskasse abgezweigt. Die Ministerin werde Ende März/Anfang April Vorschläge für eine Finanzreform der Krankenversicherung mit den Spitzen der Koalition besprechen. An den Vorschlägen werde derzeit noch gearbeitet.

Der Spiegel berichtete, das weitgehend fertige Reformkonzept liege bereits seit Wochen vor. So habe Schmidt ein Konsensmodell ausarbeiten lassen, das auf einfachste Weise Elemente aus den Plänen für die von der CDU favorisierten Gesundheitsprämie ("Kopfpauschale") und der SPD-Idee einer Bürgerversicherung kombiniert. Die SPD will eine Bürgerversicherung, in der alle zwangsversichert sind und einkommensabhängig Beiträge auf Arbeits- und Kapitaleinkommen zahlen. Die CDU will eine einheitliche Gesundheitsprämie für alle gesetzlich Versicherten.