Die USA geben das berüchtigte Gefängnis von Abu Ghraib auf. Die dort vom amerikanischen Militär festgehaltenen Häftlinge würden in eine andere Haftanstalt verlegt, sagte ein US-Militärsprecher in Bagdad. Abu Ghraib werde dann an die Iraker übergeben.

Nach Angaben des Sprechers sollen die Gefangenen in der neu gebauten Einrichtung Cropper in Bagdad untergebracht werden. Die USA hoffen, dass die Verlegung innerhalb der nächsten drei Monate abgeschlossen werden könne, sagte der Sprecher weiter. Zur Zeit befänden sich 4537 Häftlinge in Abu Ghraib, die Zahl ändere sich aber ständig.

Das Gefängnis war unter Diktator Saddam Hussein Schauplatz von Folterungen und kam Anfang 2004 erneut in die Schlagzeilen, als Bilder von Häftlingsmisshandlungen durch amerikanischen Soldaten um die Welt gingen. Auf den im Herbst 2003 aufgenommenen Fotos waren nackte Gefangene zu sehen, die zu einer Pyramide aufgetürmt oder von US-Soldaten wie Hunde an der Leine geführt wurden. Erst im vergangenen Monat waren zusätzliche Misshandlungsbilder, die aus derselben Zeit stammten, an die Öffentlichkeit gelangt und hatten erneut weltweit Empörung ausgelöst.

Mehrere an den Misshandlungen beteiligte US-Reservisten waren in den USA angeklagt worden, darunter der als Rädelsführer geltende Charles Graner und die Soldatin Lynndie England. Beide waren besonders häufig auf den Fotos zu sehen gewesen und damit zu Symbolfiguren des Skandals geworden. Graner wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, England zu drei Jahren.