Der Streit um das iranische Atomprogramm soll schon in der kommenden Woche im Weltsicherheitsrat behandelt werden. Die US-Regierung kündigte am Mittwoch an, sich vor dem höchsten UN-Gremium um eine so genannte Präsidentenerklärung zu bemühen, in der die Forderungen des Sicherheitsrates an Iran aufgelistet würden. Sanktionen seien derzeit nicht im Gespräch, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack. Zuvor hatten die USA und Vertreter der EU vor dem Gouverneursrat der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA in Wien die Einschaltung des Sicherheitsrats gefordert.

IAEA-Generaldirektor Mohammed ElBaradei forderte alle Seiten auf, "einen kühlen Kopf" zu bewahren. Er kündigte am Mittwochabend in Wien an, seinen vom IAEA-Gouverneursrat zuvor diskutierten Iran-Bericht "noch heute oder morgen an den Sicherheitsrat weiterleiten" zu wollen. Wann das Gremium dann zusammentrete, würden die Mitglieder des Sicherheitsrats selbst entscheiden. Ziel der Aktion sei es, "alle Parteien wieder an den Verhandlungstisch zu bringen".

Auch der Sprecher der US-Regierung, Scott McClellan, betonte, dass die USA in dem Konflikt weiter eine diplomatische Lösung anstreben. Es lägen Vorschläge für eine friedliche und zivile Nutzung von Atomenergie auf dem Tisch, aber Iran bewege sich weiter in die falsche Richtung, sagte er.

Russlands Außenminister Sergei Lawrow bekräftigte, dass Moskau Sanktionen und militärische Aktionen gegen Teheran wegen seiner Atompolitik nach wie vor ablehnt. Nach einem Gespräch mit UN- Generalsekretär Kofi Annan machte Lawrow am Mittwoch in New York klar, dass Russland Lösungen vorzieht, die die Fortsetzung des Dialogs mit Iran ermöglichen. "Wir sollten so verfahren, dass die IAEA nicht an ihrer Arbeit im Iran gehindert wird", sagte Lawrow.

Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier betonte, die Anrufung des Sicherheitsrats bedeute "nicht das Ende der Diplomatie". Das Gegenteil sei richtig, sagte er in Berlin. Es gehe jetzt darum, den Bemühungen IAEA zusätzliches Gewicht zu verleihen.

Vor dem IAEA-Gouverneursrat hatte der britische Botschafter Peter Jenkins Teheran im Namen des so genannten EU-Trios (Deutschland, Frankreich und Großbritannien) vorgeworfen, "alle Aufforderungen des Rats missachtet" zu haben. Deshalb sei jetzt die Zeit für den Sicherheitsrat gekommen.

Teheran reagierte auf die Einschaltung des Sicherheitsrates mit der Ankündigung, die Urananreicherung zu Forschungszwecken ungeachtet dessen fortführen zu wollen. Präsident Mahmud Ahmadineschad bekräftigte am Mittwoch: "Iran wird sich dem politischen Druck nicht beugen, keinen Kompromiss eingehen und sich nicht von seinem Weg abbringen lassen. Wir haben unsere Entscheidung bereits gefällt." Der Westen müsse sich letztlich dem einstimmigen Beschluss der iranischen Nation beugen.