Die Wiedergutmachung nach einer Woche italienischer Fußball-Demütigungen im Europacup ist gründlich misslungen. Tabellenführer Bayern München taumelt nach dem torlosen Remis beim VfL Wolfsburg in eine Krise, Werder Bremen verabschiedete sich mit einer demütigenden 0:3-Heimpleite gegen Hertha BSC am 25. Spieltag der Fußball-Bundesliga aus der Verfolgerrolle. Dagegen dürfte für den 1. FC Köln nach dem verrückten 3:4 gegen den 1. FC Nürnberg ebenso die Abschiedstournee in der Liga begonnen haben wie für den MSV Duisburg nach dem 0:0 gegen Hannover 96.

Der Hamburger SV als erster Bayern-Verfolger und der FC Schalke 04 auf einem Champions-League-Platz profitierten von der Bremer Niederlage. Der HSV, dessen Partie wegen Schneemassen auf dem Stadiondach mit 75-minütiger Verspätung angepfiffen werden konnte, bezwang den 1. FC Kaiserslautern durch Treffer von Benjamin Lauth (55.), Fabian Schönheim (61./Eigentor) und Rafael van der Vaart (86./Foulelfmeter) mit 3:0 und verkürzte den Rückstand auf die Münchener auf sechs Punkte. Die Schalker kletterten durch den 2:0- Sieg gegen Eintracht Frankfurt auf Rang drei. Die Treffer für die Königsblauen erzielten Sören Larsen (52.) und Ebbe Sand (90./+1).

Drei Tage nach der 1:4-Pleite beim AC Mailand und der Nullnummer in Niedersachsen war es um die Fassung von Bayern-Manager Uli Hoeneß geschehen. "Das Problem ist, dass es bei uns kein Feuerchen gibt. Alle liegen sich in den Armen", polterte er gegen die einlullende Harmonie an. Moderat meldete sich trotz der nun drei sieglosen Pflichtspiele nacheinander Clubchef Karl-Heinz-Rummenigge zu Wort: "Hin und wieder muss man nicht nur kleinere Brötchen backen, sondern auch kleinere Brötchen essen."

Nicht gerade Zuckerbäckerei war auch das, was die Bremer nach dem deprimierenden Tiefschlag bei Juventus Turin (1:2) gegen Hertha BSC ablieferten. "Wir haben uns wieder einmal als Aufbaugegner erwiesen", meinte Werder-Manager Klaus Allofs. Bitterböse reagierte sein Trainer Thomas Schaaf auf den Einbruch: "Da hat einiges gefehlt. Darüber müssen wir reden." Ein ernstes Wörtchen wird er wohl auch mit Torwart Tim Wiese sprechen, der nach seinem Fehler gegen Juve auch den 3:0- Sieg der Berliner mit einen Patzer einleitete. Allen Grund zur Freude hatte dagegen Hertha-Coach Falko Götz, dem nach dem Vertrauensbeweis durch die Clubspitze ein Befreiungsschlag gelang. "Jetzt haben wir endlich unser Erfolgserlebnis", sagte er nach 13 sieglosen Spielen.

Dagegen hat der VfB Stuttgart mit dem 0:0 gegen Borussia Dortmund die große Chance vergeben, sich im Kampf um einen UEFA-Cup-Platz von der Konkurrenz abzusetzen. Da die Rivalen abgesehen von Hertha ebenfalls patzten. "Das war ein 0:0 der besseren Sorte", meinte VfB- Chefcoach Armin Veh nach der 14. Punkteteilung. Sorgen macht er sich auch nicht über Spekulation, dass die Schwaben Christoph Daum von Fenerbahce Istanbul zu seinem Nachfolger machen wollen. Für VfB- Teammanager Horst Heldt ist das Gerücht nur ein "Treppenwitz".

Von Duplizität der Ereignisse konnte man beim 1:0 von Arminia Bielefeld gegen Bayer 04 Leverkusen sprechen. Wie vor einem Jahr schoss Radomir Dalovic das Tor des Tages. "Es war ein Rückfall in eine Spielweise, die wir glaubten, hinter uns zu haben", kritisierte Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser den K.o. seines Clubs, der nach dem Wirbel um die Finanz-Affäre Reiner Calmund Balsam gebraucht hätte. Für die Bielefelder war der Erfolg ein großer Schritt zum Klassenverbleib. "Wenn man sich die Tabelle anschaut, war dieser Sieg elementar wichtig", meinte Trainer Thomas von Heesen. Dies galt auch für den FSV Mainz 05, der 3:0 gegen Borussia Mönchengladbach und im Abstiegskampf Boden gewann.

Nach dem 3:4-Torrausch im packenden Kellerduell gegen den 1. FC Nürnberg herrschte beim 1. FC Köln Katerstimmung. Beim Tabellenletzten scheint der vierte Abstieg nach 1998, 2002 und 2004 kaum noch vermeidbar. "Jetzt sind unsere Chancen sehr gering", stellte FC-Stürmer Marco Streller fest. Trainer Hanspeter Latour war nach der Niederlage, die durch einen Hattrick von Robert Vittek eingeleitet wurde, völlig geschafft: "Ich bin total zerstört".

Dies ist auch das Credo des Vorletzten MSV Duisburg, für den es nach dem torlosen Remis gegen Hannover 06 ebenfalls düster aussieht. "Die Mannschaft lebt", meinte MSV-Chefcoach Jürgen Kohler trotz der ungünstigsten Spielplan-Konstellation: Bayern München, Schalke 04, der Hamburger SV und Werder Bremen kommen nacheinander an die Wedau.