Mit dem kometenhaften Aufstieg des Internet-Treffpunkts MySpace beschäftigten sich in der vergangenen Woche Welt und SZ . Seit Bands wie die Arctic Monkeys oder Clap Your Hands Say Yeah über solche Foren Berühmtheit erlangten, ist auch MySpace selbst zum Feuilleton-Thema avanciert. Der ein oder andere mag über die findigen Marketing-Strategien der virtuellen Plattform staunen. Komplette Profile der Benutzer sind auf der Seite abrufbar. Wieder andere beklagen in einem weiteren Schritt den Zustand der Feuilleton-Pop-Kritik, die einem von der Plattenfirma gestreuten Internetmärchen aufgesessen sei.

Gerti Schön beschränkt sich in der Welt auf die Fakten: My-Space-Mitbegründer Tom Anderson könne sich vor seinen derzeit "61 Millionen Online- Freunden kaum noch retten." Tausende von Künstlern, "vom Superstar bis zum Möchtegern-Rocker, stellten hier ihre Musik per MP3-File ins Internet, in der Hoffnung auf Ruhm und Geld." Die dazugehörigen Zahlen sprechen für sich: "Bereits zehn Prozent der gesamten Online-Werbung wird derzeit auf MySpace platziert. Immerhin verzeichnete die Seite im Januar 2006 nach Angaben des Messunternehmens comscore Media Metrix 23 Millionen Abrufe, mehr als Unternehmen wie Microsoft (20 Mio.), AOL Time Warner (20 Mio.), Ebay (22 Mio.) und Google (7,6 Mio.). Lediglich Yahoo lag mit 34 Millionen vor dem Newcomer."

Was der 75-jährige Medien-Mogul Rupert Murdoch längst gewittert hat. Schon im vergangenen Sommer kaufte sein Konzern News Corporation die Rechte an der Internet-Plattform. Die Zukunft scheint aus wirtschaftlicher Sicht für den Unternehmer rosig. Neben MP3-Files sollen bald auch andere Medien und Betätigungsfelder unter dem Dach von MySpace zu finden sein. Eine Plattenfirma ist geplant, die "Alben von jenen Künstlern herausbringen wird, die durch die Webseite entdeckt wurden". Ein Radiosender, Handy-Angebote und sogar eine Film-Firma sollen folgen.

Tobias Moorstedt vermutet in der SZ hinter MySpace folgerichtig vor allem das Geschäft. "Mit Megaforen wie MySpace, Friendster oder Tribe hoffen IT- und Medienkonzerne aus dem sozialen Trieb des Menschen ein Geschäft machen zu können." Zudem gebe es noch weit dunklere Stellen: Ein Drogenring, der seine Geschäfte über eine der Online-Gemeinden koordiniert haben soll, und sexuelle Übergriffe auf Minderjährige, die auf MySpace vorbereitet worden sein sollen. Amüsanter gibt sich eine Randnotiz, die Moorstedt erwähnt: der englische Melancholiker und Einzelgänger Morrissey darf auf der MySpace-Seite "214 015 Freunde" sein eigen nennen. Wer will da noch von Einsamkeit singen?

Ausnahmslos begeistert zeigten sich die Kritiker der großen Tageszeitungen vom Gastspiel des Grammy-gekürten HipHop-Stars Kanye West in Berlin. Sven Beckstette in der FAZ findet die Perfektion des Auftritts geradezu furchteinflößend und konstatiert seine "pure Überwältigung". Im Moment scheine tatsächlich nur der Himmel Kanye Wests Grenze zu sein. Ähnlich "fesselnd" und "großartig" empfand Michael Pilz den Auftritt des HipHoppers aus Chicago in der Welt .

taz -Kritiker-Kollege Tobias Rapp will zwar "linkische Bewegungen" bei West ausgemacht haben, stimmt aber ansonsten in den Jubel ein: "Kanye West ist der Pop gewordene Traum des HipHop-Intellektuellen."