Viel wurde im Vorfeld des gestrigen "Informationsgespräches" über die Krise der Nationalmannschaft, den Wohnsitz des Bundestrainers und einen neuerlichen Wettskandal im Profifußball berichtet. Knapp drei Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft befindet sich die Stimmung im Lande auf einem historischen Tiefpunkt, was sich auch darin äußert, dass einer Forsa-Umfrage zufolge lediglich drei Prozent der Deutschen noch an den Gewinn der Weltmeisterschaft glauben, im Januar waren es immerhin noch neun Prozent. In diesen schwierigen Zeiten hatte Angela Merkel gestern Abend die führenden Vertreter des deutschen Fußballs zum Abendessen ins Kanzleramt geladen.

Beim vorher stattfindenden Pressetermin nutzten die Protagonisten des Abends nochmals die Gelegenheit, ihre Sicht auf den Stand der WM-Vorbereitungen kundzutun. Wer ein Hauen und Stechen, Kritik und Schuldzuweisungen erwartet hatte, wie es in den vergangenen Wochen in den Medien stattfand, wurde dabei eines Besseren belehrt. Besonders Jürgen Klinsmann und Franz Beckenbauer zeigten sich demonstrativ versöhnungsbereit. Klinsmann lobte die Bemühungen seines ehemaligen Teamchefs mit den Worten "Franz Beckenbauer sorgt mit seinem Stab dafür, dass es die größte und beste WM aller Zeiten wird. Wir wollen dafür sorgen, dass es auch sportlich eine erfolgreiche wird." Zuvor hatte Beckenbauer Zusammenhalt und Einsatzfreude eingefordert: "Die WM ist eine große Chance, das wissen wir alle. Also - packen wir es an."

Auch der DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger stärkte Klinsmann den Rücken "Der Deutsche Fußball-Bund steht zu dieser jungen Mannschaft, zu Jürgen Klinsmann, Joachim Löw und Oliver Bierhoff." Am meisten dürfte sich der in den letzten Wochen heftig kritisierte Teamchef allerdings über die aufbauenden Worte der Gastgeberin gefreut haben. "Ich bin überzeugt, dass Jürgen Klinsmann und sein Team auf einem guten Weg sind. Von Kritik darf man sich nicht beeinflussen lassen." In sportliche Fragen wird sich Angela Merkel allerdings nicht einmischen. "Wer von mir ein Machtwort in der Torwartfrage erwartet, den muss ich enttäuschen", teilte die Kanzlerin mit.

Vor weiteren Enttäuschungen warnte hingegen Uli Hoeneß in seiner Funktion als Sprecher der "Nationalmannschafts-Task-Force" der Bundesliga. Falls das Testspiel gegen die USA "in die Hose geht", gibt es "mit Sicherheit eine Riesendiskussion um Klinsmann", so der Bayern Manager in einem Stern-Interview. Das Fazit des Abends sprach allerdings wieder Kanzlerin Merkel: "Sie alle leisten einen vorzüglichen Job", lobte sie die WM-Macher, bevor man sich zum Abendessen hinter verschlossenen Türen zurückzog.