Die Wände des Aufführungsraums sind so schwarz, dass man meinen könnte, sie bewegten sich langsam aufeinander zu. Kaum etwas tröstet den Blick, denn der fast quadratische Kubus ist nur spärlich gestaltet. Dies ist kein Ort für die klassische Oper – und erst recht keiner für Menschen mit Beklemmungen.

Die Produktion hat den Schritt von der Probebühne an den Aufführungsort getan. Was bisher nur angedeutet war, bekommt nun seinen festen Platz – auf einer Grundfläche, die nur für einige Dutzend Personen reicht. In mehrerlei Hinsicht ist die Opera Stabile wie gemacht für dieses Stück. Sie hat etwas von einem mythischen Jammertal, von einem Schacht, in dem furchtbar schwere Arbeiten verrichtet werden. Außerdem schreit die Nebenbühne der Hamburger Staatsoper geradezu nach einer experimentellen Regie. Es gibt weder Bühne noch Parkett, stattdessen Papphocker und Galerien auf zwei Ebenen.

Bis zur Premiere bleiben nicht mehr viele Proben, doch Regisseur Holger Müller-Brandes und Komponist Pit Przygodda haben die Ruhe weg. Sie schauen und schweigen. Tatsächlich gibt es wenig zu dirigieren, denn heute steht der letzte Akt an. Das Licht ist gedimmt, die Darsteller verharren fast in ihren Positionen, es herrscht Stille. Nur ab und an spielt Przygodda einen Ton auf seiner Melodika und löst damit einen kurzen A-cappella-Gesang aus: Versatzstücke aus bekannten Opern, die bald wieder verhallen.

Von den Liedern und Gesten hat sich die Handlung in eine Textprojektion verlagert, die wie ein übergroßer Teleprompter an der Wand entlang läuft. Daraus ergibt sich ein Problem, das die klassisch inszenierte Oper nicht hat: Das Publikum soll den geschriebenen Worten folgen können, doch die Szene darf nicht zu lang werden, weil sie sonst ihre Spannung verliert. „Das Schwierigste nach den Menschen, das ist immer die Technik“, sagt Müller-Brandes, das Kinn auf die Hand, den Ellenbogen auf den Konzertflügel gestützt. „So wird das Stück doch noch anderthalb Stunden lang“, fügt er leise kichernd hinzu – und gibt dem Bühnenbildner Zeichen, die schnellere Textversion einzulegen.

So funktioniert es. Was im ersten Akt als kurzweilige Revue begann, endet als verdichteter Zustand, der sich nach und nach verliert. Kein Schlussakkord wird dem Publikum signalisieren, dass es jetzt aufatmen kann. Es wird sich selbst und der Stimmung des Raumes überlassen bleiben.

Sehen Sie hier bei den Proben im neuen Raum zu, –eine Bildergalerie von Christian Bartsch"