Einige Kommentatoren bringen an diesem Mittwoch zwei Themen zusammen, die in der Tat zueinander gehören: den Zustand der Bundeswehr, ersichtlich aus dem jüngsten Bericht des Wehrbeauftragten , und die immer noch schwelende Diskussion um einen möglichen Einsatz europäischer Soldaten im Kongo . Die Lübecker Nachrichten formulieren den Zusammenhang so: Ein Kongo-Einsatz sei „teure Symbolpolitik mit hohem Risiko für die Soldaten. Es wird Zeit für eine außen- und sicherheitspolitische Grundsatzdebatte. Welche Interessen hat Deutschland in der Welt? Was kann die Bundeswehr leisten, was nicht?“

In der Tat Symbolpolitik! Wie sollte auch ein Verband in Bataillonsstärke, postiert in Kinshasa, etwas ausrichten in einem riesigen Land, dessen Bürgerkrieg bisher von 17.000 Soldaten der Vereinten Nationen nicht ausgetreten werden konnte?

Die Welt weist darauf hin, dass der knappe Verteidigungshaushalt und die wachsende Belastung durch Auslandseinsätze ohnehin die Leistungsfähigkeit der Armee einschränken: „Wenn die Kassen wirklich so leer sind, sollte sich die Bundesregierung aber auch hüten, auf internationaler Ebene immer neue Verpflichtungen einzugehen und Versprechungen zu machen. Mögen die EU und ihr außenpolitischer Kommissar Solana noch so ambitioniert sein und endlich weltpolitisch eine Rolle spielen wollen – keinen anderen Sinn hätte ein Kongo-Einsatz – Deutschland muß seine Grenzen erkennen und darf nicht jeder militärischen Anforderung nachkommen. Einige dieser Grenzen hat der Wehrbeauftragte schonungslos aufgezeigt.“

Ihn lobt auch die Lausitzer Rundschau , freilich nicht ohne eine Spitze: „ Gut, dass der Wehrbeauftragte das jetzt offen ausspricht. Schlecht, dass Robbe, der bis vor einem Jahr Vorsitzender des Verteidigungsausschusses war, dafür erst ein neues Amt brauchte.“

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung sieht das alles anders: „In keinem Land werden an Sonntagen schönere Reden auf die Vereinten Nationen und ihren Friedensdienst gehalten. Seit der Wiedervereinigung hat jede Bundesregierung in den UN, der Nato und der EU dafür gestimmt, das internationale Krisenmanagement auszubauen. Milliarden Euro – vom Steuerzahler aufgebracht – werden dafür ausgegeben, die Bundeswehr zu einer Armee umzubauen, die auch in entfernten Weltgegenden als Streitschlichter auftreten kann. Jetzt sollen fünfhundert Mann für Kongo schon zuviel sein?“ – so fragt der Leitartikel an diesem Mittwoch, und sieht das Grundproblem in einem „Konstruktionsfehler der europäischen Außenpolitik: Die EU hat sich zum Spieler am großen Tisch der Weltpolitik erklärt, ohne daß sich ihre Mitglieder Gedanken darüber gemacht hätten, wie denn ‚europäische Interessen’ zu definieren seien.“

Mit dieser Gedankenkette landet der Kommentator freilich im gleichen Feld, auf dem sich seine Kollegen bereits befinden: Es muss über Interessen gesprochen werden und dann darüber, ob sie mit den gegebenen Ressourcen durch einen Einsatz wie dem im Kongo sinnvoll verfolgt werden können. Die Antwort liegt auf der Hand.