"Zum Wesen der großen Koalition gehört das Rätsel", schreibt die Süddeutsche Zeitung am Montag. "Am meisten gerätselt aber wird über die Gesundheitsreform." Kein Wunder, dringt doch nur sehr wenig Inhalt durch an die Öffentlichkeit. Der Spiegel weiß zu berichten, dass Vertraute der Gesundheitsministerin allen Mitarbeitern gedroht habe: Wer etwas durchsickern lasse, werde einen Kopf kürzer gemacht.

Grund für die Geheimhaltung ist die schwierige Ausgangslage für die Ministerin, muss sie doch zwei scheinbar unversöhnliche Lager einen. Auf der einen Seite die Union, die für eine Kopfpauschale wirbt, bei der Kassenversichertere Einheitsbeiträge zahlen und Arme und Familien Steuerzuschläge erhalten. Auf der anderen Seite die SPD mit ihrer Bürgerversicherung, die ähnliche Wettbewerbsregeln für gesetzliche Kassen und Privatversicherer schaffen sollte. Schmidt plant nun einen Kompromiss der beiden Vorschläge. Wie genau der aussehen soll, darüber divergieren die Informationslagen der Medien.

Eines jedoch wissen die meisten Kommentatoren schon heute: Die kommende Reform wird schlecht. So schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung : "Ein Konzept, bei dem sich Bürgerversicherung und Gesundheitsprämie mischen, brächte nur für Union und SPD Vorteile: Jede Seite könnte behaupten, sie hätte sich weitgehend durchgesetzt. Den Versicherten aber nützt ein solcher Kompromiss nicht. Denn die Modelle sind im Prinzip unvereinbar."

Der Mannheimer Morgen erwartet das Schlimmste, schließlich lese sich schon der Koalitionsvertrag "wie eine gemeinschaftliche Verabredung zum Taschendiebstahl." Nicht das eigentliche Problem im Gesundheitswesen werde angegangen: Statt "endlich die Schere an die Verfilzungen im Gesundheitssystem zu setzen, wollen Union und SPD offenbar in bewährter Manier nur zusätzliches Geld hineinpumpen. Das wäre ein Armutszeugnis sondergleichen." Das Handelsblatt rät gleich, von dieser Gesundheitsreform ganz abzulassen, in der jetzigen Form sei sie nur ein "Beschäftigungsprogramm für Ministerialbürokraten".

Auch die Bild-Zeitung meckert: "Das wird eine bittere Pille! [...] Reform – das heißt wieder mal: Gesundheit wird teurer. Dass uns diese Medizin erst nach den nächsten Landtagswahlen verabreicht werden soll, folgt dem altbewährtem Muster: Erst wählen, dann zahlen." Auch wenn die Details der Reform wohl erst nach den Landtagswahlen bekannt gegeben werden, steht für die Süddeutsche Zeitung eines bereits jetzt fest: "Einfacher und transparenter wird das Gesundheitswesen sicherlich nicht."