Noch 92 Tage bis zum WM-Beginn und Fußball-Deutschland befindet sich in der Krise. Der Bundestrainer wohnt im falschen Land, die Nationalmannschaft präsentiert sich formschwach, und seit gestern steht fest, dass die Viertelfinalspiele der Champions League ohne deutsche Beteiligung stattfinden werden.

Bereits am Dienstag verpasste Werder Bremen die Chance gegen Juventus Turin ins Viertelfinale einzuziehen. Trotz günstiger Ausgangslage durch den 3:2 Hinspielerfolg im Weserstadion, mussten sich die Bremer nach einem kapitalen Torwartfehler vom bis dahin herausragend agierenden Schlussmann Tim "Spiegel" Wiese, bei Juventus Turin am Ende mit 2:1 geschlagen geben. Begünstigt durch die Auswärtstorregel qualifizierten sich die Italiener glücklich für die Runde der letzten Acht. Das Unternehmen Champions League ist damit für Bremen vorzeitig beendet. Das gleiche gilt seit gestern für Bayern München. Der AC Mailand zeigte dem deutschen Vorzeigeklub deutlich die Grenzen auf, die zwischen dem deutschen Fußball und der europäischen Spitzenklasse liegen. Mit 4:1 wurde der amtierende deutsche Meister nach Hause geschickt und hatte dabei Glück, dass die Niederlage nicht noch deutlicher ausfiel. Auch Torhüter Oliver Kahn, der von sich und seinen Mannschaftskollegen "das Spiel unseres Lebens" gefordert hatte, stand der Angriffsfreude und Abschlusssicherheit der Italiener eher hilflos gegenüber. Allerdings profitierten die "Rossoneri" dabei auch von teils haarsträubenden Abwehrfehlern der Münchener Defensivabteilung.

Peinlicher Höhepunkt der Bayern-Darbietung: Nachdem beim Stand von 1:0 für Mailand Andrei Shevchenko einen Elfmeter verschießt, rennt Kahn zum völlig verdutzten Schützen und brüllt ihn an, als ob der Ukrainer ihm mit dem Ferrari über den Fuß gefahren sei. Ein Dank an Milans Superstürmer wäre in der Situation wohl angebrachter gewesen, denn aus eigener Kraft hätte Kahn den Schuss Shevchenkos wahrscheinlich nicht pariert. Gebracht hat Kahns Auftritt freilich wenig, nur eine Minute später erzielte Milans Stürmerstar das 2:0 aus dem Spiel heraus. Danach schwieg Kahn.

Möglicherweise hatte Deutschlands Torwartdenkmal aber auch seinen Rivalen Jens Lehmann vom FC Arsenal im Hinterkopf. Der Wahl-Londoner zeigte beim 0:0 seines Teams gegen Real Madrid zum wiederholten Male eine klasse Leistung und wurde nach dem Abpfiff zum Mann des Spiels gewählt. Nachdem die "Gunners" das Hinspiel in Madrid mit 1:0 für sich entscheiden konnten, reichte ihnen das gestrige Unentschieden zum Erreichen der nächsten Runde. Der spanische Über-Klub von einst entwickelt sich hingegen immer mehr zu einem Fall für Hobby-Astronomen, ohne Teleskop können sie am Beispiel der Madrilenen den Zerfall einer "Galaxie" beobachten. Trotz eines der teuersten Kader der Fußballgeschichte warten die Spanier seit nunmehr drei Jahren auf einen Titelgewinn.

Dass Geld allein keine Titel garantiert, zumindest nicht in der Champions League, musste auch der FC Chelsea im Spiel gegen den FC Barcelona einsehen. Die Partie, von vielen als vorweggenommenes Finale angesehen, blieb zwar hinter den hohen Erwartungen zurück, am Ende setzte sich die spanische Mannschaft um Weltfußballer Ronaldinho jedoch souverän durch. Zwar wollte der Trainer der Londoner, der etwas weltfremde Jose Mourinho, nicht wahrhaben, dass die bessere Mannschaft gewonnen hat, allerdings spricht das Ergebnis eine andere Sprache, auch wenn es bei weitem nicht so deutlich ausfiel wie Barcelonas Überlegenheit auf dem Platz. Da Barcelona das Hinspiel in London mit 2:1 für sich entscheiden konnte, reichte den Spaniern im Rückspiel das 1:1 Unentschieden zum Weiterkommen.

Zwei weitere Teams von der iberischen Halbinsel können sich ebenfalls über das Erreichen des Viertelfinales freuen. Der FC Villareal setzte sich aufgrund der Auswärtstorregel gegen Die Glasgow Rangers durch. Die "Submarinos" hatten im Hinspiel vor zwei Wochen ein 2:2 beim schottischen Rekordmeister erzielt. Obwohl sie im Rückspiel gegen tapfer kämpfende Schotten nur zu einem 1:1 kamen, reichte ihnen dieses Ergebnis zum etwas überraschenden Einzug in die nächste Runde. Die größte Überraschung dieses Champions-League-Spieltages gelang allerdings dem von Ronald Koeman trainierten Benfica Lissabon gegen den FC Liverpool. Nach dem Hinspielerfolg in Lissabon konnte der portugiesische Traditionsclub sämtliche Angriffsbemühungen des Champions League Titelverteidigers abwehren und setzte sich in Liverpool letztlich verdient mit 2:0 durch.

In einer Neuauflage der letztjährigen Viertelfinalbegegnung zwischen Olympique Lyon und dem PSV Eindhoven konnte sich der französische Abonnements-Meister für das damalige Ausscheiden revanchieren. Begünstigt durch einen Platzverweis der Niederländer kamen die Spieler um Mittelfeld-As Juninho gestern zu einem nie gefährdeten 4:0 Erfolg und zogen somit ebenfalls in die nächste Runde ein. Das Hinspiel hatte Olympique Lyon mit 1:0 gewonnen.

Die letzte Begegnung des Achtelfinales wird erst nächste Woche ausgetragen werden. Inter Mailand trifft zuhause auf Ajax Amsterdam. Die erste Begegnung in der Amsterdam Arena war 2:2 ausgegangen.