Samstag, 25. 3.2006
Die Java-Galerie liegt am Independence Monument, dort, wo sich die Sihanouk zum Fluss hin in eine Allee öffnet, mittig ein breites Rasenband, täglich frisch bepflanzt mit Hochzeitspaaren. Sie lächeln im Halbkreis ihrer Familien, nicht etwa vor dem Unabhängigkeitsdenkmal, das die Befreiung von französischer Kolonialherrschaft im Jahre 1953 feiert, sondern vor den gleißenden Prunkvillen mit ihren bunt lasierten Dächern, die den Eintritt in die globale Protz-Ära zelebrieren.

Die Java-Galerie logiert bescheiden im ersten Stock eines kleinen alten Hauses, das so ist, wie alle Ausländer es lieben, die Kambodscha in die Zukunft befördern wollen, aber gerne unter hohen Decken lunchen, wo sich die Ventilatoren drehen wie früher in den Romanen und Filmen, vor den Kriegen: dunkle Holzdielen, die Fliesen der Terrasse ein Hauch von Art Deco, die Sessel tief und aus Korb. Hier gibt es Bagel mit Zimt-Frischkäse. Die Speisekarte empfiehlt Muesli und Joghurt und verspricht Healthy Blends wie Beetroot-Pinapple-Saft, der "durchblutungsfördernd" zu wirken verspricht. Natürlich unter der Regie einer jungen Amerikanerin, Dana Langlois. Erst kam sie als Entwicklungshelferin, dann kam die Liebe, jetzt ist auf dem Display ihres coolen Nokia ein Dorian zu sehen, sieben Monate alt. An den Wänden der Galerie hat sie gestern großformatige Bilder von Mak Remissa aufgehängt, dem ersten Fotokünstler Kambodschas.

Fische und Ameisen. Die Fische fressen die Ameisen, aber später fressen die Ameisen die Fische. So besagt es ein altes kambodschanisches Sprichwort, das Mak Remissa in Bildern erzählt. Die Ameisen tragen dann die leeren Hüllen der Fische, die hungrig auf Ameisen sind, wenn das Wasser im Fluss und im See hoch steigt und über das Land kommt, um dann wieder zu verschwinden, in den Monaten der Hitze, wenn die Fische verdursten und die Ameisen über sie kommen.

Leben, vergehen. Zulassen, mitschwimmen im Fluss der Dinge. Auch wenn das nicht ohne Kampf abgeht. Es sind Meditationen in Farbe und Licht, in denen Mak Remissa das Khmer-Sprichwort umsetzt, das die Ruhe des buddhistischen Geistes atmet und sich gleichzeitig auf das bäuerliche Leben bezieht, das noch immer für 80 Prozent der Kambodschaner harter Alltag ist. Es sind Fotos, in denen Natur in der minimalisierenden Sprache der Moderne zum Ausdruck kommt. Leuchtende Bilder, die von Mühe und Arbeit als einem natürlichen Geschehen erzählen und davon, dass es natürlich weitergeht, nach dem Sterben, im Zyklus des Lebens. Die Stimmung neugierig, versöhnlich. Es sind Installationen von Tieren mit Blättern, Gewebe, Wasser.

Mak Remissa ist ein Landkind aus Phnom Penh. Man könnte sagen, das ist ein typisches kambodschanisches Paradox. Der Vater war Naturwissenschaftler an der Hochschule, die Mutter eine Lehrerin für Khmer. Als die Milizen der Roten Khmer 1975 die Stadt über Nacht räumten, schlug sich die beiden mit ihren zwei Kindern in die Provinz Takaeov durch, in das Dorf, aus dem der Vater gekommen war und wo er starb. Remissa war damals fünf Jahre alt.

Er erinnert sich, wie der Vater abgeholt wurde. "Ich war es, der ihnen den Weg gezeigt hat", sagt er. Als der Vorsteher des Dorfes mit seinen Leuten kam und nach dem Vater fragte, habe er ihnen gesagt, der sei irgendwo da hinten, bei den Bäumen. Sie seien dann in diese Richtung gegangen. Als der Vater abends nicht nach Hause kam, habe die Mutter ihn zum Dorfvorsteher geschickt, um nachzufragen. Der habe gesagt: "Dein Vater arbeitet jetzt woanders."