Israel wählt am Dienstag ein neues Parlament. Bis 14 Uhr hatten sich nach Angaben der zentralen Wahlkommission weniger als 31 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. Bei der letzten Wahl im Jahr 2003 hatten zu diesem Zeitpunkt bereits 36 Prozent ihre Stimme abgegeben. "Israel steht vor bedeutenden Entscheidungen und alle Bürger sollten sich daran beteiligen", sagte Staatspräsident Mosche Katzav, als die Wahlbeteiligung am Nachmittag auf einem historischen Tiefstand war. Mehr als fünf Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihre Abgeordneten in der 120 Sitze zählenden Knesset zu bestimmen. Prognosen werden nach der Schließung der Wahllokale um 22 Uhr (MESZ) erwartet.

Als Favoritin trat die von Ariel Scharon gegründete Kadima-Partei an, deren Spitzenkandidat der amtierende Ministerpräsident Ehud Olmert ist. Olmert strebt die Festlegung der israelischen Grenzen und einen weiteren Teilabzug aus dem Westjordanland an. Die sozialdemokratische Arbeitspartei lag in letzten Umfragen an zweiter Stelle, gefolgt von der konservativen Likud-Partei Benjamin Netanjahus, die gegen weitere Konzessionen an die Palästinenser eintritt.

Der seit fast drei Monaten im Koma liegende Scharon (78) hatte im November nach einem Auseinanderbrechen seiner Regierungskoalition Neuwahlen angesetzt. Er verließ wegen des Streits über den israelischen Abzug aus dem Gazastreifen seine Likud-Partei und gründete Kadima.

Militante Palästinenser feuerten unterdessen auch am Wahltag mehrere Kassam-Raketen aus dem Gazastreifen auf das israelische Grenzgebiet. Wie die israelische Armee mitteilte, wurden zwei Beduinen getötet, als sie eine zunächst nicht explodierte Rakete aufhoben. Die beiden hatten ihre Herde in dem Grenzgebiet weiden lassen. Bei der Suche nach militanten Palästinensern erschossen israelische Soldaten im Westjordanland ein Mitglied der Al-Aksa-Brigaden.