Die Fronten waren nicht immer klar beim Management Symposium "manexchangement", das im Rahmen der ersten deutschen Jazzmesse "jazzahead" jüngst in Bremen stattfand. Wer ist Leader, wer macht Dienst nach Vorschrift – solche Fragen passen zu einem Unternehmen der IT-Branche ebenso wie zu der Organisationsstruktur einer Radio-BigBand. Gut 30 Teilnehmende aus dem gehobenem Wirtschaftsmanagement diskutierten, was Referierende aus Wirtschaft, Jazz und Wissenschaft vorstellten. Jürgen L. Born, Vorsitzender der Geschäftsführung von Werder Bremen, machte gleich zu Beginn klar, was den Jazz wesentlich vom Fußball unterscheide: Gelbe und rote Karte, Elfmeter und "blinde Linienrichter" kenne man im Jazz wohl genauso wenig wie das Fair Play auf dem grünen Rasen. Rhythmus, Technik und Taktik bräuchten hingegen Team wie Band. Der Komponist und Arrangeur Peter Herborn, Professor an der Folkwang Hochschule in Essen, wies auf einen anderen nicht ungewichtigen Unterschied zwischen Thema und Auditorium hin: "Sie verdienen Geld, und wir verlieren es", sagte der BigBand-Leiter, "Jazz ist ein wegbrechender Markt. Die Frage wäre doch: Was raten Sie uns?"

Macht Wandel alt, was kann die krisenhafte Zuspitzung von Ressourcen bewirken, zählen Erfahrung und Reife der Mitspieler oder muss die Basis ständig verjüngt werden – nicht auf alle Fragen gab es klare Antworten. Es gibt viele Dispositionen in Jazz und Wirtschaft, die einfach nicht kompatibel sind. Einig war man sich jedoch darin, dass der Jazz positiv für die Persönlichkeitsentwicklung sei, "im Jazz kann man sich nicht verstecken". Der Bassist Sigi Busch, Professor an der Berliner Universität der Künste, referierte über das kreative Feld im Jazz. Wenn Charlie Parker abends zu einer Jam-Session aufbrach, nannte er das "goin´ to the woodshelter" – "Und wo steht dieser Holzschuppen bei Ihnen?", fragte Busch die jazzaffinen Wirtschaftexperten, die sich für 1100 Euro pro Tag und Person angemeldet hatten.

Das Symposium war nur eines von fünf so genannten Modulen bei der ersten jazzahead – an die 100 Aussteller stellten in Bremen ihre aktuellen Jazzprodukte vor. Neben Podiumsdiskussionen zur Lage des deutschen Jazz', Nachwuchspräsentationen der Jazzhochschulen und Abendkonzerten mit John Scofield und Bugge Wesseltoft, war besonders das erste German Jazz Meeting hier bestens platziert. Inspiriert von vergleichbaren Veranstaltungen in Holland, Frankreich, England, Finnland und Australien hatte man über 50 Festivalmacher und Journalisten aus 27 Ländern nach Bremen eingeladen, um sie mit kurzen Konzerten über die 14 aktuellen Highlights der deutschen Szene zu informieren.

Die Frage, wie man sich im Jazz auch ökonomisch zurechtfinden kann, war Dauerbrenner in den verschiedenen Diskussionsveranstaltungen. Der Leiter des Jazzinstituts Darmstadt, Wolfram Knauer, wies daraufhin, dass nicht nur in Deutschland die meisten Jazz-Spielstätten von Ehrenamtlichen betrieben werden – das Prinzip der Selbstausbeutung prägt weltweit das Jazzleben. Ähnliches bestätigten auch die Musiker auf dem jazzahead-Podium " young lions – erfolgreiche Musiker berichten" – bis er ein Level internationaler Anerkennung erreichte, habe er zigtausend Euro in die Produktion seiner Musik investiert, berichtete Nils Wogram. "Ich habe alles auf eine Karte gesetzt", sagte der Posaunist, die Differenz zwischen Dienstleistung und künstlerischem Ansatz sei zu beachten und Mischfinanzierung notwendig, um kreativ arbeiten zu können.

Nils Wogram , der Saxofonist Daniel Erdmann , der Bassklarinettist Rudi Mahall und die Saxofonistin Angelika Niescier sind nur einige Solisten, die den internationalen Festivalmachern in Bremen äußerst positiv auffielen. Die Messe Bremen meldet einstweilen einen unerwarteten Erfolg der ersten jazzahead, im nächsten Jahr soll es weitergehen.