Einen Tag nachdem das Friedrich-Löffler-Institut (FLI) auf dem Riems die Vogelgrippe für den ersten deutschen Nutztierbestand bestätigt hat, werden heute die verantwortlichen Krisenstäbe in Berlin und Dresden zusammenkommen. Sie wollen über das weitere Vorgehen zur Bekämpfung der Seuche beraten.

Unterdessen versuchen Forscher des FLI herauszufinden, wie das Virus in den größten Geflügelbetrieb des Landes Sachsen hineingeraten konnte. Vermutlich hat eine Ausnahmegehmigung die Infektion begünstigt; der Hof musste seine Tiere trotz der sonst allgemein gültigen Stallpflicht nicht wegsperren. Damit ist ein Übertragung des Virus von Wildvögeln auf die Tiere recht wahrscheinlich.

Der Erreger H5N1 war am Mittwoch erstmals in deutschem Nutzgeflügel nachgewiesen worden. Das sächsische Sozialministerium bestätigte den Fall einen Tag, nachdem erste Proben an des Referenzlabor auf dem Riems gegangen waren. "Ja, wir haben in Sachsen einen Fall von Vogelgrippe vom Typ H5N1", sagte Ministeriumssprecher Ralph Schreiber am Mittwoch.

Der betroffene Bestand gehört zu einem Geflügelbetrieb in Wermsdorf im sächsischen Muldentalkreis südöstlich von Leipzig.
Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) für Tiergesundheit hat die hoch gefährliche Variante "Asia" des Vogelgrippevirus H5N1 für den größten Geflügelhof  des Bundeslandes zwar noch nicht bestätigt. Das endgültige Testergebnis wird erst am Donnerstagnachmittag erwartet. Bisher handelte es sich aber bei sämtlichen H5N1-Fällen in Deutschland um diese hoch pathogenen Typ. Im Putenbestand des jetzt betroffenen Hofs waren laut Amtstierarzt Ingolf Herold am Mittwoch bereits rund 700 Tiere gestorben. In dem Stall mit 1400 Puten hatte sich das Virus innerhalb weniger Tage mit verheerendem Tempo ausgebreitet.

Nach Angaben des zuständigen Ministeriums werden die vorgeschriebenen Schutzzonen bereits eingerichtet. Demzufolge gilt mindestens drei Kilometer um den betroffenen Geflügelhof absolute Sperrzone. Von den rund 16.000 Tieren, die nun vorsorglich ihr Leben lassen müssen, sind in der Nacht zum Donnerstag bereits 10 000 gekeult worden. Zum betroffenen Bestand gehören 8000 Puten, 5000 Gänse und 3000 Hühner. Im erweiterten Umkreis von zehn Kilometern werden Nutztiere und Wildvögel fortan verstärkt beobachtet. Nach Angaben des Ministeriums sind in Sachsen seit Mitte Februar 3365 tote Wildvögel auf die Vogelgrippe getestet worden. Bisher blieben die Ergebnisse aber in allen Fällen negativ.

Nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung werde ein Teil der Produktion aus dem Betrieb in Wermsdorf in einem Schlachtbetrieb in Mutzschen verarbeitet. Dort hat man die Fleischverarbeitung aber bereits gestoppt. Die am Dienstag geschlachteten Tiere will man vernichten.

Unklar ist bisher, wie das Virus in den Bestand gelangen konnte. In Sachsen wurde bisher noch kein Wildvogel positiv auf den H5N1- Erreger getestet. "Auch wenn wir noch keinen Wildvogel mit dem H5N1- Virus in Sachsen gefunden haben, heißt das nicht unbedingt, dass Wildvögel in Sachsen nicht von der Vogelgrippe betroffen sind", sagte FLI-Sprecherin Elke Reinking.

Unterdessen glauben niederländische Forscher, dass Katzen eine wichtige Rolle bei der Übertragung des gefährlichen Vogelgrippevirus spielen könnten. In gefährdeten Gebieten sollten die Tiere deshalb eingehend beobachtet und eventuell sogar isoliert werden, fordert die Gruppe von Virusforschern um den Rotterdamer Experten Albert Osterhaus in einem Kommentar im Fachjournal "Nature" (Bd. 440, S. 741).

Die Wissenschaftler hatten das Virus zuvor in Ausscheidungen von Katzen gefunden - allerdings in weit geringerer Konzentration als bei Vögeln. Bei Katzen, die infiziertes Fleisch gefressen hatten, wurde das Virus nicht nur in den Atemwegen, sondern auch in den Darmwänden nachgewiesen. Dies lasse einen neuen Ansteckungsweg vermuten, schreiben die Forscher.