Die Torhüterfrage ist entschieden, in der Fußball-Bundesliga bleibt aber alles Wesentliche ungeklärt: Die verbleibenden fünf Spieltage der WM-Saison bergen jede Menge Spannungsmomente. Nach dem 0:3 von Titelverteidiger und -favorit Bayern München bei Werder Bremen ist die Meisterfrage ebenso offen wie der Kampf um die Teilnahme an Champions League und UEFA-Cup. Und nachdem der schon fast leblose 1. FC Köln mit dem 3:0 gegen den VfL Wolfsburg ungeahnte neue Vitalität an den Tag legte, ist die Zahl der Abstiegskandidaten mit sechs groß wie selten zuvor.

"Es wird noch einmal eng", kommentierte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Das Restprogramm gegen Bielefeld, Stuttgart und Dortmund sowie in Mainz und Kaiserslautern bringt durchaus heikle Aufgaben: "Es kann noch ziemlich spannend werden." Die Bremer trugen wesentlich dazu bei: Nachdem sie sich am 8. Mai 2004 mit dem 3:1 in München den Meistertitel gesichert hatten, gab es nur noch Niederlagen gegen die Bayern - bis zu diesem Sieg.

Der Hamburger SV nutzte die Gunst der Stunde. Nach dem 2:0 am Sonntag gegen Borussia Mönchengladbach beträgt der Abstand zu den noch vor Wochen als übermächtig eingeschätzten Bayern nur noch vier Punkte. Dagegen gerät der FC Schalke 04 im Kampf um die Champions League immer weiter ins Hintertreffen: Der Tabellenvierte kam bei Schlusslicht MSV Duisburg nicht über ein 1:1 hinaus. Sören Larsen (85.) bewahrte die Schalker mit seinem späten Ausgleichstreffer vor einer Niederlage. Zuvor hatte Christian Poulsen (39.) ins eigene Tor getroffen.

Oliver Kahn hielt in Bremen alles, was zu halten war. Doch bei den Treffern durch Bastian Schweinsteigers Eigentor, Daniel Jensen und Tim Borowski war er machtlos. Vor dem Pokal-Halbfinale am Mittwoch beim FC St. Pauli soll Kahn jetzt zusätzliche moralische Unterstützung bekommen. "Wir werden versuchen, den Oliver aufzubauen. Das war ein schwerer Schlag für ihn", befand Hoeneß, bewertete das 0:3 aber nicht als Drama: "Das ist kein Beinbruch."

Andernorts wären weitere Niederlagen höchst fatal. Wolfsburg und der 1. FC Kaiserslautern geraten immer tiefer in den Sog. Die Niedersachsen erlaubten dem Vorletzten aus Köln dessen ersten Heimsieg nach 203 Tagen, die Pfälzer präsentierten sich beim 0:2 gegen Hertha BSC ähnlich desolat. "Diese Niederlage tut doppelt weh, wenn man die Ergebnisse der Abstiegskandidaten sieht. Die spielen uns in die Karten, und wir nutzen das nicht", klagte FCK-Coach Wolfgang Wolf, dessen Team zum Finale am 13. Mai in Wolfsburg antreten muss.

Dort scheint der Ernst der Lage verkannt zu werden. Torhüter Simon Jentzsch: "Wir sind noch immer über dem Strich." Auch beim FSV Mainz 05 (0:0 gegen Hannover 96) und bei Eintracht Frankfurt (0:1 bei Arminia Bielefeld) werden die Nöte immer akuter. Die Bielefelder dagegen können dem Pokal-Halbfinale am Dienstag in Frankfurt und der Rest-Saison gelassen entgegen blicken.