Der brandenburgische Ministerpräsident hat sicher gute Gründe für seine Demission, doch für die Sozialdemokraten ist der Effekt verheerend: Zum zweiten Mal binnen fünf Monaten wechselt die älteste deutsche Partei ihren Vorsitzenden aus. Das stolze Amt, das einst August Bebel und Willy Brandt trugen, degeneriert zum Abreißkalenderblatt: Erst schmiss Franz Müntefering nach nur eineinhalb Jahren hin, weil ihm die Parteiführung in einer wichtigen, von ihm schlecht vorbereiteten Personalfrage nicht folgen wollte. Nun erwies sich der als jugendlich gefeierte Nachfolger als der Aufgabe gesundheitlich nicht gewachsen.

Als Nachfolger ist Kurt Beck auserkoren, der als rheinland-pfälzischer Landesvater vor Wochenfrist zum letzten Helden der Sozialdemokratie mit absoluter Mehrheit im Rücken avancierte. Doch Beck ist keine Lösung des strukturellen Problems, das die SPD seit langem in sich trägt.

Sicher, die deutsche Parteienlandschaft steckt insgesamt in der Krise: Am linken Rand streiten WASG und Linkspartei um ihren Zusammenschluss und ihre nach wie vor begrenzten Erfolgsmöglichkeiten im Westen. Die Grünen haben zuerst die Regierungsverantwortung und dann mit Joschka Fischer ihr bekanntestes Gesicht verloren . Die FDP zeigt sich im politischen Tagesgeschäft konturlos und Guido Westerwelle wird ihr, obwohl er ab Mai auch den Fraktionsvorsitz übernimmt, kaum Profilgewinn bringen . Die CSU steht immer noch vor dem gleichen Problem wie vor der letzten Bundestagswahl: Wer folgt auf Stoiber? Beckstein, Huber, Söder? Oder doch Verbraucherschutzminister Seehofer? Einzig die CDU scheint derzeit fast aller Sorgen beraubt: Unter der Führung der Kanzlerin wird kaum ein Streit nach außen getragen, die rivalisierenden Ministerpräsidenten halten sich an den Burgfrieden.

Doch keine Partei hat solche enormen Probleme wie die SPD. Die Sozialdemokraten haben mit Matthias Platzeck nun auch noch ihren Sunnyboy, ihren erhofften neuen Helden verloren. Sein Rücktritt lässt die SPD auf den Stand von November 2005 zurückfallen, vielleicht sogar noch einen ganzes Stück weiter zurück. Denn nun zeigt sich immer deutlicher: die junge Garde in der SPD, sie schafft es nicht. Sie vermag nicht den Platz der abgetretenen Enkel-Generation zu übernehmen und der nach sieben Schröder-Jahren tief verunsicherten, ausgezehrten und orientierungslosen Partei ein neues Profil und einen neuen Kurs zu geben.

Ute Vogt ist in Baden-Württemberg gerade mit Pauken und Trompeten durchgefallen . Von den einstigen Hoffnungsträgern Christoph Matschie oder Sigmar Gabriel traut sich im Willy-Brandt-Haus kaum einer mehr zu sprechen. Mit Beck soll es daher jetzt einer der alten Garde richten, ein väterlicher Freund; ein Versöhner, kein Spalter - um in Johannes Raus Worten zu sprechen.

Kurt Beck hat viel vor sich, und wer ihm die Aufgabe zutraut, muss schon ein großer Optimist sein: die SPD ist alt, überaltert. Nur knapp fünf Prozent ihrer Mitglieder sind noch unter 30, ein gutes Drittel über 60 Jahre alt. Und die Mitglieder sterben weg, treten aus und von der politischen Bühne ab. Mehr als ein Drittel ihrer Mitglieder hat die SPD in den vergangenen 15 Jahren verloren. Die SPD hat, weit stärker als die CDU, ein Nachwuchsproblem, und das drückt sich auch in der Personaldecke aus.