Vom Elektromonteur zum Vollzeitpolitiker – zumindest diesen Teil der Vita haben Kurt Beck und sein künftiger Stellvertreter gemeinsam. Doch anders als der 57-jährige Beck kann Jens Bullerjahn zum Führungsnachwuchs der Sozialdemokraten gezählt werden. Und er ist nach dem Abgang von Matthias Platzeck der Vertreter der neuen Länder.

1962 in Halle an der Saale als Sohn eines Bergarbeiters geboren, hat Bullerjahn eine typische Berufslaufbahn in der DDR durchlaufen. Lehre, Wehrdienst und anschließendes Studium in Magdeburg, das er 1987 als Elektroingenieur beendet. 1990 ist Jens Bullerjahn für die SPD in den Landtag nach Magdeburg gegangen.

In den 15 Jahren bis zu seiner Nominierung zum Spitzenkandidaten der SPD in Sachsen-Anhalt hat er sich zielstrebig ein Image des bodenständigen Landespolitikers erarbeitet. Als Fraktionsgeschäftsführer organisierte Bullerjahn 1994 das so genannte Magdeburger Modell – eine von der PDS geduldete rot-grüne Minderheitsregierung unter Reinhold Höppner. Die auf Bundesebene mit Argwohn betrachtete Zweckehe hielt bis 2002; die Sozialdemokraten in Sachsen-Anhalt rutschen nach dem Wahlsieg der CDU in eine tiefe Krise.

Der Karrieresprung zum Vordenker kam für Jens Bullerjahn eher überraschend. Sein im Februar 2004 vorgestelltes Zukunftspapier Sachsen-Anhalt 2020 hinterließ Eindruck bei den Parteigenossen. Ein Jahr später machten sie ihn zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Frühjahr 2006. In 10 Thesen zur Zukunft des Landes sprach Bullerjahn in seinem Papier ungeliebte Wahrheiten aus: Bevölkerungsrückgang, ausbleibendes Wirtschaftswachstum und eine weiterhin angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt – Einsichten, die sich inzwischen auch in der Bundes-SPD herumgesprochen haben.

Die ehrliche Beschreibung der Realität zahlte sich im Wahlkampf jedoch nur bedingt aus. Die CDU holte am 26. März die Mehrheit und die SPD muss nun mit der Rolle des Juniorpartners in einer Großen Koalition Vorlieb nehmen. Bullerjahn wird aller Voraussicht nach stellvertretender Regierungschef und Finanzminister unter Wolfgang Böhmer (CDU).

Sollte Jens Bullerjahn nun zusätzlich in das Führungsgremium der Bundes-SPD gewählt werden, wäre er damit gleich zwei Mal Stellvertreter – und würde den doppelten Vorsitzenden Platzeck beerben. In der mit Bärbel Dieckmann, Elke Ferner, Peer Steinbrück und Ute Vogt besetzten Führungsriege wäre Bullerjahn der einzige ostdeutsche Politiker. Und zudem einer, dem eine noch Zukunft vorhergesagt wird.