Es ist eine Affäre, die das politische Washington schon lange beschäftigt und deren Tragweite immer größer wird. Wer hätte 2003 gedacht, dass die Enttarnung der CIA-Agentin Valerie Plame solche Wellen schlägt, dass die Brandung nun gar in die obersten Etagen des Weißen Hauses schwappt? Erst fiel der Verdacht auf eine Reihe von engen Mitarbeitern George Bushs, darunter den Ex-Vize-Außenminister Richard Armitage und Bushs Berater Karl Rove, die Identität Plames an die Presse lanciert zu haben - eine nach US-Gesetz strafbare Handlung . Jetzt aber zielt die Strafverfolgung direkt auf den Präsidenten, der sich gerühmt hat, für eine neue Ehrlichkeit in der Politik zu stehen.

Seit Monaten beschäftigt die Staatsanwaltschaft die Frage, wer für das Leck in der Regierung verantwortlich ist. Die Vermutung liegt nahe, dass Plame enttarnt wurde, um ihren Ehemann Joseph Wilson, einen öffentlichen Regierungskritiker, mundtot zu machen. Der Journalist Robert Novak enthüllte die Identität erstmals im Juli 2003 in einer Kolumne, gefolgt von Berichten des Time -Journalisten Matthew Cooper. Eine Quelle für diese Berichte ist nun offenbar enttarnt: Scooter Libby, der Ex-Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney. Doch dessen Verteidigung scheint es zu sein, den Präsidenten mit in die Affäre hineinzuziehen - als Initiatoren des Geheimnisverrats.

So hat Libby ausgesagt, dass Cheney ihn informiert habe, dass "der Präsident den Angeklagten (Anm.: also Libby) ausdrücklich autorisiert hätte, gewisse Informationen aus dem NIE freizugeben". Im NIE (National Intelligence Estimate), einer streng geheimen Analyse zum Irakkrieg, will der militärische Geheimdienst DIA nachgewiesen haben, dass Saddam Hussein ein geheimes Atomprogramm betreibe. Genau dem hatte Olames Ehemann Wilson widersprochen.

Libby traf sich daraufhin mit Journalisten, darunter der ehemaligen Starreporterin der New York Times , Judith Miller, um ihnen brisante Informationen aus dem Geheimdokument und Plames Identität zu präsentieren. Letzteres bestreitet Libby - entgegen Judith Millers Notizen aus dem gemeinsamen Gespräch.

Kein Zweifel besteht, dass Libby die Geheiminformationen über das angebliche irakische Atomprogramm lancierte. Für den Sonderstaatsanwalt Patrick Fitzgerald steht nach Prüfung der Aussagen Libbys fest, dass dies eine gezielte Attacke aus dem Weißen Haus gegen Joseph Wilson gewesen sei, der öffentlich Saddams Streben nach der Bombe in Frage stellte.