Ideologische Grabenkämpfe in der Politik sind selten geworden. Worüber sollen sie sich auch noch streiten, die großen Konsenspolitiker? In Zeiten, in denen die Große Koalition an der Macht ist, eine Jamaika-Koalition als politische Option diskutiert wurde und immer lauter über Schwarz-Grün-Experimente auf Landesebene nachgedacht wird, zeigt sich: Die einst unüberwindbar scheinende Kluft zwischen links und rechts ist fast verschwunden.

Doch es gibt noch ein Thema, das alte Frontlinien sofort wieder herstellt: die Integration. So schreibt die Badische Zeitung treffend von der "verbalen Artillerie" mit "Abschiebedrohungen, Ultimaten, Schuldzuweisungen - viel Lärm, wenig Substanz". Den Grund gefunden hat die Zeitung auch: "Psychologisch gesehen ist lautes Geschrei oft ein Zeichen von schlechtem Gewissen oder ein Ablenkungsmanöver. (...) Die Konservativen haben momentan Mühe zuzugeben, dass Deutschland auch mit ihrem Zutun ein Einwanderungsland geworden ist. Und den Linken ist es peinlich, dass sie Probleme, die Einwanderung neben Chance auch mit sich bringt, gerne klein geredet haben."

Doch nicht nur die Politik lässt sich in ein linkes und rechtes Lager in der Integrationsdebatte einordnen, auch die Medien stellen sich flugs auf ihre jeweils bewährte Frontseite. Der Titel der aktuellen Ausgabe des Focus lautet beispielsweise "Die Mulitikulti-Lüge", Unterzeile "Wie die Integration in Deutschland scheitert". 

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) geht ebenfalls in Angriffsstellung: "Nun, da auch die Linke die Fehler der bisherigen Ausländerpolitik nicht mehr komplett leugnen kann, sprudelt aus den Christlichen Demokraten vieles von dem heraus, was sie jahrelang nicht zu äußern gewagt haben." Schon an vorherigen Tagen konnte man die Beschwerde in der Zeitung lesen, die Linke habe die Vertreter konservativer Meinungen in der Einwanderungsdebatte als Unmenschen dargestellt, weil sie nicht an die Multikulti-Gesellschaft glaubten, sondern härtere Reglementierungen der Einwanderung forderten. Dadurch sei ein Klima entstanden, das die konservativen Stimmen regelrecht zum Verstummen gebracht habe - aus Angst vor Denunziation. Jetzt aber beweise sich, dass die gehegten Zweifel berechtigt waren. In der aktuellen Ausgabe schreibt die FAZ sogar, warum sich die SPD auf die Seite der Ausländer stelle: "Noch immer betrachtet sie die Gesellschaftspolitik als ihre Domäne und die 'Verlierer' und 'Ausgegrenzten' als ihre Schutzbefohlenen - in der nicht ganz unberechtigten Hoffnung, daß aus ihnen treue Wähler werden."