In einem sind sich die Kommentatoren der deutschen Zeitungen weitgehend einig: "Eine atomare Bedrohung kann der Westen nicht hinnehmen", schreibt Die Welt . So weit, so wahr – aber auch nichtssagend. Denn wer würde dem widersprechen wollen (abgesehen von der Frage, warum nur "der Westen" sich vor einer weiteren, unkontrollierbaren Atommacht fürchten soll)?

Die entscheidende Frage, die sich freilich auch schon auf früheren Stufen der nach oben offenbar offenen iranischen Atom-Drohungsskala stellte, klammern die Kommentatoren der Welt und anderer Blätter aus: Wie kann, wie sollte die internationale Staatengemeinschaft reagieren, um Iran zu hindern, das in einigen Jahren zu erreichen, wovon die theokratische Führung in Teheran bislang bloß den Eindruck erweckt, auf dem Weg dorthin zu sein: den Besitz eigener Atombomben?

Im Grunde, und daran haben die neuen prahlerischen Äußerungen und Demonstrationen von Präsident Ahmadineschad nichts geändert, gibt es nur drei Möglichkeiten: Entweder verhandelt der Rest der Welt weiter mit Teheran, um einen Verzicht des Landes auf Nuklearwaffen zu erreichen. Oder man versucht, wenn das nicht hilft, dies mit Sanktionen zu erzwingen. Oder, drittens, die USA und/oder Israel versuchen, die iranischen Atomanlagen militärisch zu zerstören.

Alle drei Wege bergen freilich Risiken: Die Verhandlungen vor allem der EU-Troika aus Großbritannien, Frankreich und Deutschland haben bislang nicht gefruchtet. Wirtschaftssanktionen wiederum würden Iran sicher treffen und könnten die ohnehin Not  leidende Bevölkerung von der geistlichen Machtelite weiter entfremden; sie würden aber vermutlich den Westen selber noch weit stärker treffen – schließlich ist Iran das viertgrößte Ölförderland der Welt, und ein Ölpreis von über 100 Dollar würde die Weltkonjunktur mit Sicherheit abwürgen.

Die militärische Option, welche die USA immer wieder ins Spiel bringen, birgt aber noch weit gewaltigere Gefahren. Weder ist garantiert, dass amerikanische oder israelische Bomber die weit verstreuten und tief verbunkerten iranischen Atomanlagen zerstören können, noch dass sie damit das iranische Nuklearprogramm mehr als nur um einige Jahre verzögern würden. Eine Invasion des militärisch hoch gerüsteten Landes würden jedoch selbst die USA nach dem Debakel im benachbarten Irak derzeit nicht wagen; wahrscheinlich wäre die US-Armee auch gar nicht in der Lage dazu. Zudem würde ein Angriff auf Iran die islamische Welt endgültig gegen den Westen aufbringen – mit verheerenden Folgen vermutlich auch für die Sicherheit bei uns.

Angesichts dieses schwerwiegenden Dilemmas kommentiert die Frankfurter Allgemeine denn auch eher nüchtern: "Für jene Staaten, die bisher vergeblich eine Verhandlungslösung zu erreichten hofften, und für die maßgeblichen Akteure im Sicherheitsrat rückt so die Stunde der Wahrheit langsam näher. Irgendwann werden sie entscheiden müssen, ob sie ein atomares Iran letztlich hinzunehmen bereit sind oder sie die Risiken, die damit verbunden wären, für inakzeptabel hoch halten. Das ist eine ernüchternde Alternative, und ‚billige’ Optionen gibt es nicht."