Was war das vor vier Jahren für ein rohes, ansprechendes Geknüppel: Die New Yorker Yeah Yeah Yeahs und ihre mit Gitarre, Schlagzeug und Gesang hinausgeschrienen Rock'n'Roll-Songs. Zwei Millionen Mal hat sich das Debütalbum Fever To Tell verkauft. Für den sperrigen Minimalismus des Trios eine Ungeheuerlichkeit. Sängerin Karen O stieg auf zur Mode-Ikone. Im Umfeld von Bands wie den Liars - mit deren Sänger Angus Andrew sie damals liiert war - oder TV On The Radio setzten die Yeah Yeah Yeahs auf Unmittelbarkeit.

Mit Show Your Bones , ihrem zweiten Album, erfinden sie sich neu. Aus rüdem Rock'n'Roll ist fast so etwas wie Pop geworden. Die Kölner Musikzeitschrift Spex feiert die Neuverortung des Trios mit einer Titelgeschichte. Christian Lehner ist nach New York gereist und erzählt die Geschichte der Band noch einmal.

"Die Yeah Yeah Yeahs haben die New Yorker Garage verlassen und nicht nur geographisch das Land von Coast To Coast durchquert", schreibt Lehner, " Show Your Bones ist ein Rockalbum mit Agenten in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geworden. Back To The Future Teil I bis III. Ein epischer Entwurf, der entweder in der Schlucht des Grand Canyon verloren gehen oder als das erkannt werden wird, was es ist: eines der wenigen großen US-Rockalben des bisherigen Jahrhunderts. Da dürfen sich alle, und zwar wirklich ALLE, Neoklassizisten New Yorks hinten anstellen und demütig die Gitarre von Nick Zinner stimmen."

Ähnlich angetan ist Thomas Burgel vom "Porn-Pop" des Trios in der französischen Wochenzeitschrift Les Inrockuptibles . Das zweite Album sei ebenso leidenschaftlich wie subversiv geraten.

Dies kann von den lendenlahmen Rolling Stones und den verbliebenen Mitgliedern der Doors nicht mehr behauptet werden.

Die Welt hat Konzerte der beiden Seniorengruppen besucht. Die Rolling Stones haben es nach 25 Jahren endlich geschafft, in China aufzutreten. Einige Songs durften Mick Jagger und Keith Richards wegen "sexueller Inhalte" nicht spielen. Pekings Propagandafunktionäre sorgten sich um das Wohl der Jugend, dabei seien beim Auftritt in Shanghai vor allem "ausländische Banker mit ihren Freundinnen" zugegen gewesen. "Im Backstageraum sinnieren Musiker aus der Band, was China als nächste Station jetzt noch toppen könnte. Ein Konzert auf dem Mond, sagt einer."