Diese Zahl nennt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem aktuellen Bericht zur Todesstrafe. Allein 2005 wurden 5.186 neue Todesurteile verhängt, ein Viertel weniger als noch ein Jahr zuvor. Allerdings war damals die Zahl im Vergleich zu 2003 (2.756) sprunghaft angestiegen.

Da Hilfsorganisationen auf die Auswertung frei zugänglicher Berichte und die Aussagen von Einzelpersonen in den betroffenen Ländern angewiesen sind, ist nicht nur die Zahl der Hinrichtungen, sondern auch die der Todeskandidaten ein geschätzter Mindestwert. "Wir verwenden zwar Zahlen, die sich aus mehreren Quellen bestätigen lassen, doch offizielle Statistiken existieren mit Ausnahme der USA nicht" sagte der Todesstrafenexperte von Amnesty International Oliver Hendrich ZEIT online .

Nach diesen Angaben ist die Vollstreckung von Todesurteilen weltweit leicht rückläufig: 2.148 Menschen wurden 2005 hingerichtet, 2004 waren es noch 3.797. Als positiven Trend bewertet Amnesty International, dass immer mehr Staaten die Todesstrafe abschaffen, zuletzt Mexiko und Liberia. Damit verzichten inzwischen 123 Staaten faktisch oder laut Gesetz darauf, Straftäter hinzurichten. 73 Länder halten trotz zunehmender Ächtung noch an Exekutionen fest.

Auffällig ist, dass nur vier Staaten für 96 Prozent aller weltweiten Hinrichtungen verantwortlich sind. Neben den USA (60 Fälle) und Saudi Arabien (mindestens 86) geraten zunehmend China und Iran ins Visier der Menschenrechtler. Iran ist das einzige im Bericht verzeichnete Land, in dem zur Tatzeit Minderjährige hingerichtet wurden; insgesamt acht Fälle wurden 2005 bekannt. In den USA wurde die Todesstrafe für Minderjährige im vergangenen Jahr abgeschafft.

Dem gegenüber erschreckt China vor allem durch die gewaltige Anzahl von Todesstrafen. Mindestens 1.770 Hinrichtungen hat Amnesty International gezählt, damit ist China für mehr als acht von zehn weltweit vollstreckten Todesurteilen verantwortlich. Neben Kapitalverbrechen verhängt China auch für gewaltlose Delikte wie Steuerhinterziehung, Unterschlagung oder Drogenvergehen, insgesamt 68 Tatbestände, die Todesstrafe.

Da Peking den Umgang der Justiz mit der Todesstrafe und den Verurteilten als Staatsgeheimnis behandelt, schätzt Amnesty International die tatsächlichen Zahlen sehr viel höher ein. Der chinesische Rechtsexperte Liu Renwen hatte im März 2005 eine Zahl von tatsächlich bis zu 8.000 Hinrichtungen ins Gespräch gebracht. Einer in den chinesischen Medien zitierten Aussage des Abgeordneten Chen Zhongli aus dem Jahr 2004 zufolge werden jährlich "annähernd 10.000" Chinesen in der Volksrepublik hingerichtet.

Diese von Hendrich als verlässlich eingestuften Schätzungen übersteigen die Zahl der weltweit gezählten Exekutionen um das Drei- bis Vierfache. Eine zentrale Forderung von Amnesty International an die chinesische Regierung ist Hendrich zufolge daher die Veröffentlichung einer Hinrichtungs- und Verurteilungsstatistik.

Oliver Hendrich im Wortlaut gegenüber n-tv