Es ist jetzt zwei Tage her, da dachte ich über Urlaub nach. Man kennt das: Eigentlich möchte man etwas Neues erleben, aber in Gedanken sieht man schnell die Orte vor sich, an denen es nach eigener Erfahrung besonders schön war. Wundervolle Landschaft, den Kopf nur unter die Wasseroberfläche stecken und tausend Fische sehen, zum Beispiel. Warum nicht noch mal dort hin?

Zwei Tage, nachdem ich an Dahab dachte und beschlossen hatte, wieder hinzureisen, explodierten dort drei Bomben. Möglicherweise geht der Anschlag auf das Konto der Terrororganisation al-Qaida, die Attentäter sollen die Israelis und koptischen Christen im Visier gehabt haben, die - neben anderen - derzeit dort Urlaub machen.

Die Bilder aber, die zum Beispiel die New York Times auf ihrer Website zeigt, erinnern mich an etwas ganz anderes. Die Anschläge haben offenbar Azzalah getroffen, eine mehrere Kilometer von Dahab City und der angrenzenden Hotelbucht entfernte Enklave mit vielen Restaurants, Cafes, kleineren Hotels und einfachen Unterkünften, die vor allem von Backpackern aus aller Welt frequentiert werden. Der Ort ist untypisch für Ägypten - insofern, als dass er zwar ein Touristenort ist, der aber mit den billigen, unpersönlichen Hochburgen Hurghada oder Scharm al-Scheich zum Glück wenig gemein hat.

Die Atmosphäre ist international und freundlich, die Ägypter verstehen sich gut mit den meist jungen Menschen, die vor allem zum Tauchen und Windsurfen dorthin kommen. Immer aber auch, um die wunderbare, friedliche Stimmung zu genießen. Natürlich wächst der Tourismus auch in Dahab, und damit seit jeher die Angst, dass die Massen das Idyll irgendwann platt walzen. Doch das ist jetzt auf viel grausamere Weise passiert.

Jeder, der auf den Sinai reisen will, denkt auch über Anschläge nach - nach den Attentaten von Scharm al-Scheich vor zwei Jahren bleibt das nicht aus, und seit jeher gibt es an den Straßen der Halbinsel militärische Kontrollen. Zugleich denkt man aber: Warum sollte es jemand auf diesen kleinen Ort abgesehen haben, auf diese alte Hippie-Enklave, in der die Leute heute noch auf orientalischen Teppichen und Kissen am Strand sitzen, Wasserpfeife mit Apfeltabak oder anderem Kraut rauchen, sich mit Arabern oder Russen, Engländern oder Schweizern unterhalten - und es einfach nur furchtbar nett finden? Keine Ballermann-Atmosphäre, zumindest noch nicht vor zwei Jahren, als ich dort war. Ich kenne viele Menschen, die diesen Ort so erlebt haben.

Doch das ist das Perfide am Terror. Er braucht ja gar keinen politischen oder religiösen Hintergrund - er zielt einzig und allein auf den Frieden. In Dahab wird das wieder mehr als deutlich. Denn obwohl die Nachrichten von Beginn an die Nähe zu Israel und die Bedeutung des Sinai (mit dem Mosesberg) für die Christen betonen: Am Ende hat es einen Ort getroffen, der für viele Menschen keine andere religiöse oder politische Symbolik hatte, als dass Religion und Politik dort quasi keine Rolle spielten. Es war schön dort. Es war friedlich. Der Terror hat wieder einmal ins Mark getroffen.