Wer den englischen Lärm-Experimentierer Kevin Martin je auf der Bühne erlebt hat, wird am Tag danach noch versuchen, seinen Gehörsinn wiederzufinden. Vor allem die Auftritte von Techno Animal , seinem Projekt zusammen mit Justin Broadrick, überschreiten die Schmerzgrenze.

Mit The Bug lotet der Brite das koloniale Erbe aus. Heraus kommen Reggae , Dancehall und Dub , die von allem Ballast befreit sind: klar, minimal und gewaltig.

Klaus Walter widmet dem Engländer in der Frankfurter Rundschau einen längeren Artikel. „Kevin Martin alias The Bug trägt die Störung im Künstlernamen. Er mag schwere Zeichen und klare Worte. ’95 Prozent der Musik ist Scheiße. In jedem Genre gibt es den harten Kern von fünf Prozent, die extreme Spitze, die echten Originale.’ Zu den fünf Prozent gehört Martin, nicht in jedem Genre, aber doch in etlichen.“

Für sein neuestes Projekt hat er die Achse London-Kingston ausgebaut: „Gemeinsam mit dem Dub-Veteranen The Rootsman firmiert er unter Razor X Productions. Keine falsche Bescheidenheit auch beim Albumtitel: Killing Sounds . Nein, hier werden keine Gefangenen gemacht, ja, hier wird die Rasierklinge geritten. Ein Sägen, Zerren, Reißen, Brechen, Fiepen, ein Übersteuern, Sirren, Sirenen, Dreschen, Schießen, Knarren, Pflegeln, dass es eine Freude ist und kein Selbstzweck.“

Während Kevin Martins Ausflüge in dekonstruierte Reggae-Welten der Club-Kultur entspringen, ist die Folkmusik „ein Labsal für alle, die Computerbeats satt haben“. Dieser Ansicht ist Tobias Schmitz im Stern . Die Hamburger Illustrierte wirft unter der Überschrift „Die sanfte Tour“ einen Blick auf die in den vergangenen Jahren wieder aufblühende Folkszene und bringt dabei einiges durcheinander.

In dem ziemlich oberflächlichen Artikel tauchen einige der üblichen Verdächtigen auf: Die norwegischen Kings of Convenience zum Beispiel, die allerdings bereits vor fünf Jahren mit Quiet Is The New Loud dem aufkeimenden Genre das Motto mitgaben; oder Devendra Banhart , der im Schlepptau von CocoRosie Hippietum und Freak-Folk miteinander vermählte. Warum zu dieser Rückbesinnung auf akustische Instrumente und Minimalismus allerdings Namen wie James Blunt oder Rufus Wainwright gehören sollen, muss der Autor gelegentlich noch mal erklären. Viel Neues gibt es im Stern zum Thema Folk also nicht zu erfahren, mal abgesehen von der Feststellung, der Folk habe nun die etablierten Print-Medien erreicht.