An der Spitze der britischen Charts steht derzeit eine Single, die es in die Hitparade schaffte, als sie noch gar nicht erschienen war. Crazy vom HipHop-Duo Gnarls Barkley wird in die Musikgeschichte eingehen als das erste Musikstück, das allein aufgrund von Downloads auf Platz 1 der UK-Hitliste stürmte. Das ist ein Pop-Phänomen, um es mit den Worten der beglückten Branche zu sagen. 

Emporgeholfen hatte der Single ihr Auftauchen in einer Fernsehwerbung für eine beliebte Radio-Show. Und, nicht zu vergessen, eine Änderung der Chart-Regeln: Seit Anfang März können in Großbritannien auch digitale Verkäufe in die Wertung einfließen, wenn der Tonträger eine Woche später in den Läden steht. Welch ein (Geld-)Segen für die Musikwirtschaft – wie das Beispiel von Gnarls Barkley zeigt.

31.000 legale Downloads hievten Crazy in der ersten Woche nach der Online-Veröffentlichung am 27. März 2006 aus dem Nichts auf Platz 1. Einmal an der Spitze angekommen, stand dann am 3. April die CD in den Startlöchern, die sich in nur wenigen Tagen, beflügelt vom Auftritt, 120.000mal verkaufte. Die Zahl der Downloads zog ebenfalls weiter an.

Würden in Deutschland die Regeln der Hitparaden entsprechend verändert, könnte Gleiches bald auch hier geschehen. Denn die Single-Charts sind nicht nur eine Rangliste der am häufigsten verkauften Stücke, sie sind selbst ein Absatzinstrument. Der Online-Vorverkauf kann dem CD-Verkauf auf die Sprünge helfen.

Für die Musikbranche könnte der Erfolg von Crazy noch mehr bedeuten. Schließlich geht es hier um einen Song, dessen Tonträger die 31.000 Fans der ersten Stunde weder anfassen, noch in oder auf ein Abspielgerät legen konnten. Dieser Song bestand nur aus Einsen und Nullen auf der Festplatte eines Computers. Aber die Hörer wollten das Ding haben, sofort, auf dem schnellsten Weg.

"Warum?", kann man sich fragen. Oder: "Warum erst jetzt?" Wenn die Online-Verkäufe seit Anfang März in die Hitlisten einfließen, warum gibt es erst vier Wochen später einen Song, der durch sie die Spitze erklimmt? Möglicherweise liegt das an Crazy selbst, seiner Qualität.