Nach fast zwei Jahren kommt es am Montag zum Showdown zwischen der Europäischen Kommission und dem Softwareriesen Microsoft. Es geht um dreistellige Millionenbeträge, den fairen Wettbewerb und um Politik.

"Wir haben hart an einer Lösung gearbeitet, die ohne einen Prozess auskommt", erklärte Microsoft-Chef Steve Ballmer noch im März. Doch vergebens: die Gespräche mit den europäischen Wettbewerbshütern scheiterten endgültig - am Montag sieht man sich vor dem Europäischen Gerichtshof wieder.

In den letzten Monaten des Wettbewerbsverfahren haben sich die Fronten verhärtet. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes kündigte weitere Strafen gegen den US-Konzern an, weil der sich nicht an die Auflagen der Europäer gehalten habe. Fast eine halbe Milliarde Euro hat Microsoft bereits vor zwei Jahren an die EU-Kommission überwiesen, jetzt sollen noch einmal zwei Millionen Euro Geldstrafe dazukommen - für jeden Tag seit dem 15. Dezember. Es geht nicht nur um viel Geld sondern gleichzeitig um das Geschäftsmodell des größten IT-Konzerns der Welt.

Kroes hat den Rechtsstreit von ihrem Vorgänger Mario Monti geerbt. Nach langen Ermittlungen hatte die EU-Kommission im März 2004 Microsoft wegen Missbrauchs seiner marktbeherrschenden Stellung zu einer Geldstrafe von 497,2 Millionen Euro verurteilt. Das Geld zahlte der finanzstarke Konzern sofort - bei der Umsetzung der Auflagen, die die Kommission Microsoft aufgegeben hatte, gab es jedoch Unstimmigkeiten.

Windows ohne Player

So musste Microsoft eine neue Version seines erfolgreichen Betriebssystems Windows XP herausbringen, die nicht den Windows Media Player enthielt. Nach langem Ringen um technischen Umsetzung und den Namen der neuen Version hat Microsoft diese Bedingung erfüllt. Ob die vermeintlich wettbewerbsfördernde Windows-Version überhaupt ihren Weg zum Kunden findet, ist aber unklar. Microsoft gibt keine Zahlen heraus, die großen PC-Hersteller zeigten kein Interesse an der reduzierten Version.

Schwerer für Microsoft wog die Auflage, technische Grundlagen des eigenen Betriebssystems für die Konkurrenz offenlegen zu müssen. Während die Kommission darauf beharrt, dass die Offenlegung der Schnittstellen der Microsoft-Programme Voraussetzung für einen fairen Wettbewerb ist, beruft sich der Softwarekonzern auf sein geistiges Eigentum. Besonders allergisch reagiert der Konzern auf die Forderung, dass Microsoft seine Technologien für die Allgemeinheit und damit auch für Open-Source-Projekte zur Verfügung stellen soll. In den letzten zwei Jahren stellte Microsoft insgesamt 12000 Seiten technische Dokumentationen zur Verfügung und erfüllte nach seiner Auffassung die Auflagen der Europäer. Die EU-Kommission zeigte sich jedoch nicht beeindruckt und ließ die Einhaltung der Auflagen von Experten prüfen.