In der Bundesrepublik haben sich im vergangenen Jahr 2490 Menschen mit dem Aidserreger HIV angesteckt, so viel wie seit den frühen neunziger Jahren nicht mehr. Das berichtete das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag in Berlin. Im Vorjahr waren 280 HIV-Neuinfektionen weniger gemeldet worden.

Seit 2002 beobachten Gesundheitsfachleute besorgt eine stetige Zunahme der HIV-Infektionen, vor allem bei homosexuellen Männern. 2005 wurden in dieser Gruppe 1237 Neuinfektionen festgestellt, 15 Prozent mehr als 2004. Damals waren es 1078 Neuinfektionen. Jedoch ist der Anstieg in der Gruppe der Homosexuellen anteilig geringer als bei den Heterosexuellen, wo die Zahl der Neuinfektionen um 25 Prozent von 276 in 2004 auf 344 kletterte. In den Betroffenengruppen der Drogensüchtigen und Menschen aus Ländern mit hohem Aidsrisiko haben sich die Zahlen laut RKI dagegen kaum geändert.

Die Gesamtzahl der Neuansteckungen ist mit umgerechnet 3,02 Betroffenen pro 100.000 Einwohner fast doppelt so hoch wie vor vier Jahren - 2001 waren es nur 1,75 Neudiagnosen gewesen. In der ersten Hälfte des Jahres 2005 waren insgesamt sogar 20 Prozent mehr neue HIV-Infektionen als im selben Zeitraum des Vorjahrs gemeldet worden - eine Tendenz, die sich im Laufe des Jahres erfreulicherweise abschwächte.

Die höchste Infektionsrate hatte 2005 Köln mit 13,6 HIV- Erstdiagnosen pro 100.000 Einwohner. Es folgen Hamburg mit 11,76 und München mit 11,45 Neuinfektionen. Berlin mit 10,95 neuen HIV-Diagnosen meldete insgesamt 371 Fälle und damit die höchste Zahl neuer HIV-Infektionen unter den deutschen Großstädten.

Zugleich steigen Kondomgebrauch und Kondomabsatzzahlen wieder an. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung in Köln. Dadurch könnte sich die Zunahme der Neuinfektionen etwas abschwächen.

Vor allem zu Beginn einer neuen Beziehung werden wieder vermehrt Kondome benutzt. Dies liegt nach Meinung der Bundeszentrale auch an der umfangreichen Präventionsarbeit und Berichterstattung in 2005. Die Ergebnisse zeigten, dass die Aidsaufklärung einen großen Teil der Bevölkerung erreiche.