"Wenn es nicht eine sehr ernste Angelegenheit wäre, könnte man darüber lachen." Heinz-Josef Neikes ist aber gar nicht zum Lachen zumute, denn die Nachricht über die Bonner Bertolt-Brecht-Schule, die seine 16-jährige Tochter besucht und in deren Förderverein er sich engagiert, hat nichts mit einem "Karneval-Scherz" zutun, wie man zu einer anderen Jahreszeit durchaus denken könnte. Nein, das Ereignis macht ihn nachdenklich. Was sich die beiden 18-jährigen Mädchen dabei dachten, als sie Anfang dieser Woche völlig überraschend mit Burka gekleidet in der Schule erschienen, weiß natürlich auch er nicht.

So viel steht fest: Schulleiter Ulrich Stahnke hat in Absprache mit der Bezirksregierung Köln die beiden Unruhestifterinnen für zwei Wochen aus der Schule zu suspendiert. Es habe ernsthafte Gespräche mit den beiden Schülerinnen des 11. Jahrgangs gegeben, sie hätten sich aber nicht einsichtig gezeigt und nicht auf die Verschleierung verzichten wollen. Ein Sprecher der Stadt Bonn erklärte, dass die beiden Oberstufenschülerinnen gegen den Unterrichtsausschluss juristisch vorgehen wollen.

Mit Sanktionen ihres Verhaltens hätten die Burka-Trägerinnen eigentlich rechnen müssen. Denn an der Bertolt-Brecht-Schule im Bonner Stadtteil Tannenbusch gibt eine Schulverfassung mit detailliert ausgearbeiteter Schulordnung, zu deren Einhaltung sich die Schüler verpflichten. Darin heißt es: "Wir erwarten von allen Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern, angestellten Personen sowie allen Besuchern der Schule eine angemessene Kleidung. Das Tragen von Kleidung und Symbolen, die eine religiös fundamentalistische Orientierung repräsentieren und/oder unsere demokratische Grundordnung in Frage stellen, wird von uns abgelehnt. In Anlehnung an den Geist unserer Schulverfassung streben wir eine kopftuchfreie Schule an."

Stahnke scheint seine Entscheidung unanhängig davon gefällt zu haben, ob die Kleiderwahl der beiden Mädchen religiös motiviert war oder nicht. Den Schulverbot begründete der Direktor unter anderem damit, dass durch den "Auftritt" der beiden verhüllten Mädchen der Schulfrieden gefährdet worden sei, die Verschleierten hätten "Ängste bei anderen Schülern" ausgelöst. "Unsere Schüler wussten nicht einmal, dass die beiden überhaupt zur Schule gehören."

Warum ereignet sich der Vorfall ausgerechnet in Bonn, einer "gesitteten Stadt", wie Neikes anmerkt; einer Stadt mit etwa 300 000 Einwohnern, die immer noch geprägt ist durch die Regierung, in der weiterhin viele Ministerienmitarbeiter beschäftigt sind? Steckt eine bewusste Provokation dahinter oder ist es doch nur "unbedachtes Verhalten" von zwei jungen Frauen?

Seit dem Bekanntwerden dieses Vorfalls wird jedenfalls viel spekuliert über die Motive der beiden Schülerinnen, von denen es heißt, sie seien türkischer Abstammung. Zu hören ist aber auch, dass eines der beiden Mädchen aus Afghanistan stamme und nur eine von ihnen zuvor mit Kopftuch zur Schule gekommen sei.