Dass sich die Innenminister der Länder offenbar nicht auf bundeseinheitliche Wissenstests für Einbürgerungswillige einigen können , welche die meisten CDU- Länder seit Wochen forcieren, ist eine klare Schlappe für die Union. Preschte doch das CDU-regierte Baden-Württemberg im Januar mit seinem Fragenkatalog voran, der sogleich harsche Kritik erntete. Im März folgte der Vorstoß aus Hessen unter der Schirmherrschaft von Roland Kochs Innenminister Volker Bouffier (CDU). Diese Test-Version brillierte durch Wissensfragen, welche selbst Marcel Reich-Ranicki ins Schwitzen brachten. Beide Tests sollen innerhalb der noch zu beschließenden Regelung möglich bleiben. Die unionsregierten Länder wollten ursprünglich jedoch das staatsbürgerliche Grundwissen und die Anerkennung der Verfassung in ganz Deutschland in einem Test abfragen. Die Minister einigten sich in ihren Vorgesprächen nun offenbar darauf, dass alle Länder mehr und vor allem längere Integrationskurse anbieten sollen. Beckstein sagte, künftig solle es sowohl möglich sein, einen ordentlich absolvierten Integrationskurs anzuerkennen, als auch den Kurs mit einer Prüfung abzuschließen. Durch diesen Minimalkonsens ist die Frage nach der Wissensprüfung wieder an die Länder zurückgegeben worden.Einbürgerungswillige werden zukünftig also auf sechzehn verschiedene Weisen in dasselbe Land aufgenommen. Genau dieses Chaos sollte mit der Einigung der Innenminister eigentlich vermieden werden. Positiv daran ist allerdings, dass nun sicher nicht alle Einbürgerungswilligen mit Tests konfrontiert werden. Denn eigentlich braucht Deutschland mehr Einbürgerungen – nicht weniger. Doch die Zahl der Einbürgerungen ist rückläufig.Statt eines Eides auf die Verfassung haben sich die Minister immerhin auch darauf geeinigt, eine Feier zur Passübergabe in ihre Liste aufzunehmen. Neben dem nun aufzustockenden Angebot an Integrations- und Sprachkursen ist dies sicherlich auch ein, wenn auch kleines, positives Signal an die Einbürgerungswilligen.