Die Koalitionsspitzen haben sich bei einem fünfstündigen Treffen in der Nacht geeinigt. Danach soll das Elterngeld für bis zu 14 Monate gezahlt werden - zwei Monate davon allerdings nur, wenn sich beide Partner an der Kinderbetreuung beteiligen. Das Elterngeld soll als Lohnersatzleistung nicht auf den Bezug des Arbeitslosengeldes II angerechnet werden. Der Finanzrahmen von knapp vier Milliarden Euro wird eingehalten.

Trotz der längeren Laufzeit wird das Elterngeld nicht teurer, weil Eltern, die mehr als 30 Stunden arbeiten nicht in den Genuss eines Sockelbetrags von 300 Euro kommen werden. Dadurch würden 300 Millionen Euro eingespart, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla bei einer Vorstellung der Details am Montagvormittag in Berlin. Solche Eltern erhielten auch bislang kein Erziehungsgeld, sie würden also nicht schlechter gestellt. Zudem sei das Elterngeld ja als Lohnersatz gedacht, es sei also nicht sinnvoll es an arbeitende Eltern zu zahlen, ergänzte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil. CSU-Landesgruppenchef Peter Ramsauer ergänzte später, die Kosten blieben "eher unter vier Milliarden" Euro, "weil wir einige systematische Einsparmaßnahmen im steuerlichen Bereich noch machen, die vorher nicht eingerechnet waren".

Väter oder Mütter, die auch vor der Betreuung der Kinder nicht berufstätig waren, bekommen den Sockelbetrag dagegen. Dies war ein Anliegen der CSU, die vor allem Hausfrauen nicht schlechter stellen wollte als berufstätige Mütter, die eine Erziehungspause einlegen. Alleinerziehende können das Elterngeld 14 Monate in Anspruch nehmen, auch Geschiedene können in den vollen Genuss der Lohnersatzleistung kommen, wenn sie sich die Erziehungsarbeit teilen.

Für die längere Bezugszeit des Elterngeldes - ursprünglich waren zehn Monate plus zwei sogenannte Partnerschaftsmonate vorgesehen - hatte sich ebenfallsl vor allem die CSU eingesetzt. Deren Generalsekretär Markus Söder zeigte sich mit der Lösung nun sehr zufrieden. Statt eines Zwangs zum Erziehungsurlaub gebe es jetzt Wahlfreiheit und einen "Väterbonus", sagte er.

Die so genannte Reichensteuer soll - wie im Koalitionsvertrag vereinbart - vom 1. Januar 2007 an erhoben werden. Auf den dreiprozentigen Zuschlag zur Einkommenssteuer werden nach den Vereinbarungen der Partei-Fraktionsspitzen aber gewerbliche Einkünfte nicht angerechnet. Gegen eine solche Umsetzung gibt es allerdings verfassungsrechtliche Bedenken, da lohnabhängig Beschäftigte und Freiberufler schlechter gestellt werden als Unternehmer. Die Koalition hofft jedoch, diese Bedenken dadurch entkräften zu können, dass im Sommer 2006 Eckpunkte für eine Unternehmenssteuerreform beschlossen werden, die zum 1.1.2008 in Kraft treten soll. Dann soll es prinzipiell keine  Besteuerung nach der Rechtsform des Unternehmens mehr geben, wodurch auch die Probleme bei der Reichensteuer ausgeräumt wären.