„Ich würde es als Zeichen der Integration werten, wenn türkisch- stämmige Mitbürger die dritte Strophe auf türkisch singen könnten“, zitiert die Berliner Zeitung B.Z. den Grünen-Fraktionsvize Ströbele in ihrer Mittwochsausgabe. BILD

Die Forderung steht vor dem Hintergrund einer Debatte in den USA. Dort ist eine heftige Kontroverse über eine von Latino-Popstars aufgenommene spanischsprachige Version der amerikanischen Nationalhymne ausgebrochen. Die neue rhythmische Variante des "Star-Spangled Banner", die am Freitag Premiere feierte und auf vielen Latino-Radiokanälen immer wieder gespielt wurde, heißt "Nuestro Himno" (Unsere Hymne). Sie soll nach Angaben der Initiatoren und beteiligten Musiker den Millionen illegalen Immigranten in den USA im Kampf für eine Legalisierung ihres Status den Rücken stärken. US-Präsident George W. Bush lehnt die spanische Version jedoch strikt ab.

Ströbeles Parteifreundin, die Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast, wies den Vorstoß zurück: „Da ist dem Christian Ströbele wohl etwas vom 1. April auf Anfang Mai gerutscht.“ Auch Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach lehnte den Vorschlag ab. „Die deutsche Nationalhymne auf türkisch wäre das Gegenteil von Integration“, sagte er der B.Z. „Das Erlernen der deutschen Sprache in Schrift und Wort ist doch die Schlüsselqualifikation schlechthin. Wenn wir also die deutsche Hymne auf türkisch anbieten würden, wäre das ein falsches Signal an alle hier lebenden Immigranten.“

Die Sprecherin der FDP für Integration und Migration, Sibylle Laurischk, meinte hingegen: „Das wäre eine interessante Möglichkeit für Menschen anderer Herkunft und Sprache, die deutsche Kultur zu verstehen.“

Ströbele hatte sich im November 2004 schon einmal für einen muslimischen Feiertag in Deutschland ausgesprochen. Mit seiner Anregung, dafür einen christlichen Feiertag zu streichen, war er auf breite Ablehnung gestoßen.