"Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin, kein Sturm hält sie auf, unsere Air Berlin": Kampfeslust spricht aus der Hymne des Billigfliegers. Dieser Mut, so hoffen Firmenvertreter, soll am heutigen Donnerstag belohnt werden, wenn das Unternehmen im zweiten Anlauf den Gang an die Börse wagt.

Die S enkung der Preisspanne von ursprünglich 15 bis 17,50 Euro auf 11,50 bis 14,50 Euro jedenfalls scheint die Investoren leidlich überzeugt zu haben. Nachdem das Papier mit 12 Euro zugeteilt worden war, startete es zunächst mit einem Kurs von 12,65 an die Börse, fiel dann aber unter den Zuteilungspreis. Am späten Nachmittag notierte das Papier gut sechs Prozent unter dem Ausgabekurs bei 11,74 Euro. Doch immerhin: Der Börsenstart ist dem Billigflieger geglückt.

Damit unterscheidet sich die Situation deutlich von jener der vergangenen Woche, als Air-Berlin-Aktien im vorbörslichen Handel unter die ursprünglich geplante Ausgabespanne fielen und das Unternehmen daraufhin seine Börsenpläne kurzfristig um sechs Tage verschob. Nach der Preissenkung bewerten Marktteilnehmer die Aktie als attraktiver. Manche Analysten sprachen sogar von einem "Schnäppchen", dessen Kurs in den kommenden Wochen und Monaten deutlich steigen werde. Im Gegensatz dazu erwarten zurückhaltendere Marktbeobachter eher eine Seitwärtsbewegung der Kurse.

Grundsätzlich gilt: An den grundlegenden Risiken des Papiers hat sich nichts geändert. Air Berlin machte im Gegensatz zu den beiden wichtigsten Konkurrenten Easyjet und Ryanair in den vergangenen Jahren keine Gewinne. Zudem ist der Markt der Billigflieger in Europa hart umkämpft: Mehr als 50 Anbieter buhlen um Kunden. Hohe Kerosinpreise belasten die Airlines zusätzlich. Fachleute erwarten denn auch eine Konsolidierung der Branche. Wer im Wettkampf bestehen will, braucht eine solide Kapitalbasis – ein wichtiger Grund für Air Berlins Börsenpläne.

Aktionärsschützern missfällt nicht zuletzt auch die massive Werbekampagne mit Fernseh-Moderator Johannes B. Kerner. "Wie einen Konsumartikel" habe die Gesellschaft ihre Aktie angepriesen, sagte Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Das habe nicht gegriffen, "und das ist auch gut so".