Statt 15 bis 17,50 Euro sollen die Aktien der Fluglinie nun lediglich 11,50 bis 14,50 Euro kosten. Die neue Preisspanne entspricht eher als die ursprüngliche dem von Banken geschätzten "fairen Kurs" für das Papier. Zugleich wird die Zahl der Aktien, die Anlegern angeboten wird, auf 42,5 Millionen gesenkt. Dadurch verringert sich auch der erwartete Emissionserlös.

Einen Tag vor dem geplanten Handelsbeginn auf dem Frankfurter Parkett hatten das Unternehmen und die betreuenden Banken am Donnerstagabend zunächst die wenig erfreuliche Verschiebung verkündet. Nun können Investoren noch bis nächsten Mittwoch weiter Aktien zeichnen, der zweite Anlauf für den Börsengang ist dann für Donnerstag terminiert. Für Unternehmenschef Joachim Hunold sind die unerwarteten Turbulenzen ein Schlag ins Kontor - aber Signale vom Finanzmarkt deuteten auf eine vorerst unzureichende Akzeptanz.

Erste Gerüchte, dass in der heißen Phase vor dem Tag X nicht alles nach Plan lief, waren schon am Nachmittag in Börsenkreisen aufgekommen. Mehrere Analysten meldeten offen Zweifel an, dass die Höhe des angestrebten Aktienpreises gerechtfertigt sei. Der sollte eigentlich am Donnerstag in einer Spanne zwischen 15 und 17,50 Euro festgelegt werden - dazu kam es vorerst nicht. Am "Grauen Markt", wo die Titel außerbörslich gehandelt werden, waren die Aktien da zuvor teils schon unter die Untergrenze der Spanne gefallen. Zu Beginn der Woche hatte die Fluggesellschaft noch von regem Interesse gesprochen.

Inwiefern die einwöchige Warteschleife dem Werben um die Anlegergunst nachhelfen könnte, gilt aber als ungewiss. "Wenn die Leute das Unternehmen für 15 Euro nicht kaufen wollen, dürfte es auch schwierig sein, die Titel zu einem tieferen Preis unterzubringen", sagte Frank Schallenberger, Marktstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg. Es habe sich gezeigt, dass die Zweifel fundamentaler Natur seien und sich nicht nur um den Preis drehten . In der Bilanz 2005 standen auch wegen einmaliger Sondereffekte unter dem Strich 116 Millionen Euro Verlust. Die allgemeine Stimmung für Börsengänge gilt zwar als gut, doch die Luftfahrt ist nicht nur wegen hoher Ölpreise eine schwierige Branche.

Für die ehrgeizigen Wachstumspläne der Nummer Zwei auf dem deutschen Linienflugmarkt bringt das Gerangel nicht gerade Auftrieb. Schließlich wird der erwartete Erlös nicht zuletzt zur Finanzierung schon bestellter neuer Flugzeuge gebraucht. Und im Preiskampf mit den Rivalen von Lufthansa bis Easyjet kann finanzielle Schwäche schnell gefährlich werden. Nach den bisherigen Planungen sollen mindestens 650 Millionen Euro und bis zu 872 Millionen Euro hereinkommen. Davon sind 350 Millionen Euro für das Unternehmen gedacht. Ob Air-Berlin- Kapitän Hunold mit einem solchen Schub rechnen kann, muss sich nun zeigen - die Höhenluft des Kapitalmarkts beginnt schon zu greifen.

Mehr über Finanzen lesen Sie auf www.zeit.de/finanzen