Was tun, wenn man gerade ein mieses Wahlergebnis verbucht hat? Man bildet die Regierung um, verdrängt so – hoffentlich - die Wahlschlappe aus den Schlagzeilen und signalisiert eigener Partei wie Öffentlichkeit, dass man nach wie vor Herr im Haus ist.

So verfuhr Tony Blair nach der Ohrfeige durch die Wähler. Wobei gleich hinzugefügt werden muss, dass diese Lokalwahlen für die Regierungspartei nicht so furchtbar ausgefallen sind, wie weithin prophezeit worden war. Der Verlust von rund 250 Sitzen bei einem nationalen Stimmenanteil von 26 Prozent ist schlecht, aber nicht die Katastrophe, die "Kernschmelze", von der in den Medien vorab die Rede war. Schließlich hat Labour mit genau dem gleichen Stimmenanteil bei den Lokalwahlen des Jahres 2004 und ein Jahr später bei den Unterhauswahlen klar gesiegt.

Der Aussagewert von Lokalwahlen ist begrenzt. Die Tories, die Gewinner dieser Wahlen, wissen das. Sie brechen angesichts ihrer 40 Prozent nicht in überschwänglichen Jubel aus. Wohl aber kann David Cameron, der jugendliche Hoffnungsträger der Konservativen, angesichts dieses Ergebnisses seine internen Widersacher in Schach halten. Hätten die Tories unter Camerons nicht zugelegt, wären die grummelnden Stimmen, die sich an Camerons grün - liberalem Schmusekurs reiben, zu einem mächtigen Chor angeschwollen. So aber kann Cameron die Blair-Regierung aus einer Position der Stärke heraus als verschlissen und inkompetent abkanzeln.

Tony Blairs "Reshuffle" soll nicht nur den Eindruck entkräften, dass seine Regierung personell wie gedanklich ausgeblutet ist und nichts mehr zu bieten hat. Zugleich deutet die drastische, ja brutale Umbildung an, dass der Premier selbst nicht im Traum daran denkt, sich den Termin seines eigenen Abgangs von Medien, Hinterbänklern oder seinem designierten Nachfolger Gordon Brown diktieren zu lassen.

So geriet die Umbildung des Kabinetts zu einer eigentümlichen Mischung: Inkompetenz wurde bestraft, verlässliche Minister befördert, relativ unverbrauchte Talente, die dem Premier politisch nahestehen, in wichtige Ministerien verschoben.

Gehen musste Charles Clarke, der als Innenminister in den vergangenen Wochen im Kreuzfeuer massiver Kritik stand, nach einer Serie von Skandalen um ausländische Straftäter, die nicht abgeschoben worden waren. Blair bot ihm zwar einen neuen Ministerjob an. Clarke lehnte ab und zieht sich grollend auf die Hinterbänke im Parlament zurück. Mit John Reid, zuletzt Verteidigung, rückt ein Politiker an die Spitze dieses Ministeriums, dem ein Ruf als "bruiser", als knallharter Minister vorauseilt.