Wer hat Angst vor dem "angry white man", jenem zornigen Proletarier, der nach rechts abdriftet, aus Empörung über Verbrechen und Einwanderung? Lange schon vor dem jüngsten Skandal über ausländische Schwerverbrecher, die nicht deportiert wurden, hatte bei der Labourregierung die Furcht um sich gegriffen, sie könnte massiv Wähler aus der traditionellen Arbeiterklasse an die BNP, die British National Party, verlieren.

Bei den Lokalwahlen in England und Wales wird die Probe aufs Exempel gemacht. Labour, Konservative und Liberaldemokraten buhlen stärker denn je zuvor um die begehrten Wähler in der politischen Mitte. Die Labourparty hatte sich darauf verlassen, dass es für ihre alten Stammwähler bei Wahlen ohnehin keine Alternative gebe. Das aber dürfte sich als Irrtum erweisen. Zornige Wähler dieser Schicht wenden sich nach rechts, getrieben allen voran von wachsender Sorge über Verbrechen und Einwanderung.

Die Schlagzeilen der vergangenen Wochen über haarsträubende Inkompetenz von Einwanderungs- und Gefängnisbehörden wie Bewährungshelfern verstärkten das ohnehin weitverbreitete Gefühl, dass die Politiker auf diesen Feldern versagt haben. 40 Prozent der britischen Arbeiterklasse sind davon überzeugt, dass alle Regierungen der Vergangenheit schwarzen und asiatischen Einwanderern zu weit entgegen gekommen seien.

Nicht im Widerspruch dazu steht, dass die Zahl der Briten, die sich als rassistisch einstuft, weiterhin kontinierlich fällt. Die weiße Arbeiterklasse hält es nicht für rassistisch, über die Bevorzugung von Einwanderern und Aslybewerbern zu klagen. Sie fühlt sich allein gelassen und an den Rand gedrängt in einer multiethnischen Gesellschaft. Anders als sie müssen liberale bürgerliche Schichten nicht mit Neuankömmlingen aus Bangladesh, Pakistan, Afrika oder der Karibik um Arbeitsplätze, staatliche Zuwendungen und Sozialwohnungen konkurrieren.

Es sind die Menschen aus den ärmeren Schichten, deren Jobs durch die fortschreitende Entindustrialisierung dahinschwinden und die den Druck spüren, den eine "industrielle Reservearmee" billiger ausländischer Arbeitskräfte auf ihre Löhne ausübt. Das schrumpfende weiße Proleatariat fühlt sich, nicht immer zu Unrecht, benachteiligt durch Maßnahmen "positiver Diskrimierung", die von politisch korrekten Stadtverwaltungen und Behörden verhängt wurden.

So waren es auch allen voran die Familien des alten Proletariats im Londoner Eastend, die auseinandergerissen und in seelenlose Wohnsilos verfrachtet wurden, die ein wohlmeinender Sozialstaat hochziehen ließ. Diese Wählerschichten fühlen sich als die Verlierer in einer neuen Welt, geprägt von Globalisierung und realititätsferner "Multikulti" -Ideologie.