Als der Vater des jetzigen US-Präsidenten, George Bush, die Deutschen einst zu einem "Partner in Leadership" erklärte, wähnte man sich hierzulande auf dem Gipfel der deutsch-amerikanischen Freundschaft angekommen. Nach einem langen Abstieg unter der Regierung von Gerhard Schröder durfte Angela Merkel nun immerhin das Prädikat "Partner in Peace" von ihrer USA-Reise mit nach Hause nehmen, und die deutschen Zeitungen sind ob der neuen Qualität der Beziehungen ganz aus dem Häuschen.

"Deutschland und die USA als harmonisches Doppel, das gab es lange nicht", jubelt die Rheinische Post . "Es hat gefunkt", glaubt die Augsburger Allgemeine , der Nordkurier hat gar ein "Techtelmechtel" zwischen Merkel und Bush jr. beobachtet, und die Main Post sieht "Änschela" schon mit einem Fuß auf der Terrasse von Bushs Ranch in Texas stehen - eine Auszeichnung, die, wie man weiß, nur "den liebsten Weggefährten von Bush" zuteil wird.

Warum aber klappt zwischen Bush und Merkel, was zwischen Bush und Schröder so schief ging? Darauf gibt es verschiedene Antworten. Der Tagesspiegel glaubt, es liege an der Herkunft der Kanzlerin. "Es ist hilfreich, dass Angela Merkel als regimekritische Ostdeutsche andere kulturelle Prägungen erfahren hat als die von 1968 beeinflussten Westdeutschen Gerhard Schröder und Joschka Fischer, Freiheit spielt in Merkels Denken – ähnlich wie bei Bush – eine zentrale Rolle."

Andere schreiben die deutsch-amerikanische Klimaverbesserung eher Merkels Persönlichkeit zu. "Dass sie mit ihren Ansichten nicht hinter dem Berg hält, weniger pokert und die Karten offen auf den Tisch legt, hat Merkel sowohl in Washington als auch in Moskau hohes Ansehen verschafft", meint etwa die Freie Presse . Und die Rheinische Post hält es für einen Erfolg von Merkels "klaren Ansagen" und ihrer "kernigen Sprache", dass sie binnen kürzester Zeit Zugang zu Bush gefunden habe.

Gleichwohl sind sich die meisten Zeitungen einig, dass das alleine nicht genügt. An klarer Sprache hatte es ja auch Schröder nicht mangeln lassen, allerdings mit gegenteiligem Ergebnis. Das Handelsblatt sieht - wie auch viele andere Blätter - in Merkels Stärke vor allem einen Reflex der Schwäche der wichtigen anderen europäischen Länder. So ist der Haupt-Irak-Verbündete der USA, Tony Blair, innenpolitisch schwer angeschlagen und hat deswegen bereits mit einer an Schröder gemahnenden Deutlichkeit durchblicken lassen, dass er für iranische Abenteuer nicht zur Verfügung steht. Auch Frankreich rutscht derzeit von einer innenpolitischen Krise in die nächste und ist vor allem mit sich selbst beschäftigt. Da bleibt Bush kaum etwas anderes übrig, als mit Deutschland pfleglich umzugehen. 

Ausgerechnet die konservative Welt ist es denn auch, die dem in letzter Zeit vielgeschmähten Alt-Kanzler Gerechtigkeit widerfahren lässt. Die Ausgangsbedingungen seien heute nämlich gänzlich andere als zu Beginn des Irak-Krieges, analysiert die Zeitung. "Saddam hat 2003 nicht den Holocaust verspottet, das hätte damals manches geändert", heißt es dort etwa. Und außerdem: "2003 hatte Bush gerade eine Kongresswahl gewonnen, war stolz und selbstgewiss, aber Schröder trat ihm vors Bein. Heute könnte Bush die Kongresswahlen verlieren, hört gut zu und hat heimlich Angst vor Tritten. Schröder legte sich mit einem Sieger an. Merkel nutzt die Stunde, ohne Bushs Schwäche auszunutzen. Sie wahrt ihm das Gesicht".