Der Handel mit Aktien sei auf Betrug gegründet, von Täuschung getragen und durch alle Arten von Blendwerk genährt, schrieb der englische Schriftsteller Daniel Defoe. Das war vor fast dreihundert Jahren. Aber auch heute noch werden Anleger mit Tipps, Analysen und Zahlenwerken überschüttet, von denen viele in die Irre führen. Eine dieser fragwürdigen Kennziffern ist die so genannte Dividendenrendite.

Gerade jetzt, nachdem viele Unternehmen ihre Dividenden angehoben haben, wird der Dividendenrendite viel Beachtung geschenkt. Manche Aktien lohnten sich schon allein wegen ihrer hohen Ausschüttung, heißt es da. Mit Dividendenrenditen von bis zu vier Prozent seien einige Aktien eine echte Alternative zu festverzinslichen Anleihen. Die Deutsche Telekom, die gerade 0,72 Euro je Aktie ausgezahlt hat, brächte es gar auf eine Dividendenrendite von über fünf Prozent. Telekom-Aktionäre können darüber freilich nur staunen. Für sie sind solche Renditeberechnungen der reinste Zynismus. Mit T-Aktien hat man in den vergangenen zwölf Monaten keinen Cent verdient - weder durch Kursgewinne, noch durch die jetzige Dividendenausschüttung.

Dividenden sind kein zusätzlicher Ertrag, auch wenn häufig dieser Eindruck erweckt wird. Dividenden werden am Tag der Auszahlung postwendend wieder vom Kurs abgezogen. Für den Anleger ergibt das ein Nullsummenspiel. Und das ist auch vollkommen korrekt so: Der erwirtschaftete Gewinn eines Unternehmens ist im Unternehmenswert enthalten. Und wenn der Gewinn oder ein Teil davon aus dem Unternehmen herausgenommen wird, muss der Börsenkurs entsprechend reduziert werden. Auch die Dividende ist Bestandteil des Aktienkurses, sie steckt sozusagen in ihm drin.

Leider scheint dieser einfache Zusammenhang vielfach in Vergessenheit geraten zu sein. Stattdessen herrscht der Irrglaube vor, bei der Dividende handele es sich um eine Art Verzinsung. So, als könne man mit Aktien doppelt abkassieren: einmal durch Kursgewinne und dann noch einmal durch eine nette Dividende. Die unsägliche Dividendenrendite trägt kräftig zu diesen falschen Vorstellungen bei.

Aktienanleger sollten sich immer wieder eines klar machen: Es gibt nur eine Zahl, die zählt. Und das ist der Kurs. Gewinne mit Aktien werden ausschließlich über den Kurs erzielt. Auch der Profit, den die Aktiengesellschaft mit ihren Geschäften erwirtschaftet, fließt in den Kurs ein. Die Dividende ist lediglich eine Methode, um einen Teil des Unternehmensgewinns an die Aktionäre auszuzahlen. Ein kleiner Teil des Kurswertes wird dann praktisch zu Bargeld.

Wie hoch diese Auszahlung ist, hängt dabei nicht einmal in erster Linie von der Höhe des Unternehmensgewinns ab. Entscheidend ist die Ausschüttungsquote. Sie besagt, welcher Anteil des Jahresgewinns im Unternehmen – also auch im Kurs – verbleibt und welcher Anteil ausgeschüttet wird. Diese Quoten variieren von Jahr zu Jahr und sind von Aktie zu Aktie sehr unterschiedlich. Bei der Telekom beträgt sie diesmal zum Beispiel 54 Prozent und bei der Allianz nur 18 Prozent.