Wenn sich die Ergebnisse der vorläufigen Stimmenauszählung bestätigen, gehen nur 26 Prozent der Wahlkreise an Labour – die Regierungspartei läge dann noch hinter den viel kleineren Liberaldemokraten (27 Prozent). Die konservativen Tories könnten mit 40 Prozent als großer Sieger aus der Abstimmung hervorgehen.

Noch bevor der Ausgang der Wahl, die als Stimmungstest für Blairs Verbleiben im Amt gewertet wurde, endgültig feststeht, stellt der Premier sein Kabinett um. Innenminister Charles Clarke und der Außenminister Jack Straw sind bereits entlassen worden.

Clarke soll durch den bisherigen Verteidigungsminister John Reid ersetzt werden. Straws Nachfolge wird mit Margaret Beckett die erste Frau an der Spitze des Außenamtes antreten. Anders als viele Beobachter vermutet hatten, soll Vizepremier John Prescott vorerst im Amt bleiben.

Eine Reihe von Ministern der Regierung Blair waren durch Affären in die Schlagzeilen geraten: Prescott wegen eines Verhältnisses mit seiner Sekretärin; Clarke wird dafür verantwortlich gemacht, dass kürzlich mehr als 1000 ausländische Straftäter nach der Verbüßung ihrer Haftstrafen nicht abgeschoben wurden, sondern in Großbritannien blieben, wo einige erneut Verbrechen begingen.

Während Labour durch die Wahl die Kontrolle in wichtigen Bezirken der Hauptstadt London verloren hat, konnte die Britische Nationalpartei BNP in einigen Wahlkreisen deutliche Zuwächse erzielen. Die Rechtsradikalen, die mit ausländerfeindlichen Parolen antraten , konnten die Zahl ihrer Sitze in den Nationalparlamenten fast verdoppeln.

Schatzkanzler Gordon Brown, der innerhalb der Labour-Partei als Nachfolger Blairs vorgesehen ist, sagte, die Wahl sei ein deutlicher "Warnschuss" für die Regierung. Labour müsse sich selbst erneuern, um für die Zukunft bereit zu sein.