Der 40-jährige Röttgen soll zum 1. Januar in die BDI-Spitze wechseln. Damit platziert Merkel einen ihrer engsten Vertrauten in der Führung einer der beiden wichtigsten deutschen Wirtschaftsverbände. Mit BDI-Chef Jürgen Thumann pflegt sie bereits engen Kontakt. Er hatte sie vor der Wahl 2005 in den Kreis der Wirtschaftspotentaten eingeführt, wo bis dahin der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder noch große Sympathien genoss.
Norbert Röttgen ist ein enger Vertrauter von Angela Merkel

Wie der BDI am Montag mitteilte, stimmten die Vizepräsidenten des Verbands dem Personalvorschlag Thumanns bereits einstimmig zu. Röttgen soll am 19. Juni offiziell berufen werden. Er folgt Ludolf von Wartenberg nach, der aus Altersgründen ausscheidet und der ebenfalls der CDU angehört und dort zahlreiche Ämter bekleidete.

Von Röttgen an „dieser zentralen Scharnierposition“ erhofft sich der BDI stärkeren Einfluss auf die Politik der schwarz-roten Koalition und insbesondere Merkels: „Deutschland braucht den Brückenschlag zwischen Politik und Wirtschaft“, erklärte der Verband. Gleichzeitig läutet die Berufung einen Generationswechsel beim BDI ein.

Merkel wiederum beweist mit dieser Personalie, dass sie die Klaviatur der Macht inzwischen beherrscht. Denn dazu gehört auch, Vertraute in wichtige Ämter zu befördern, wo sie den Interessen der Kanzlerin dienen können. Kritik an mangelndem Reformeifer der großen Koalition, die in den vergangenen Tagen zu vernehmen war, dürfte in Zukunft aus der Führung des BDI jedenfalls nicht mehr allzu laut zu vernehmen sein. Und beim Arbeitgeberverband BDA sitzt mit Reinhard Göhner ebenfalls ein CDU-Abgeordneter auf dem Geschäftsführerposten. Nebenbei ein interessanter Beitrag zum Thema Lobbying!

Merkel hatte Röttgens Karriere kräftig befördert. Im Februar vorigen Jahres machte sie als damalige Unions-Fraktionsvorsitzende den bis dato noch wenig bekannten Anwalt und Rechtspolitiker zum Parlamentarischen Geschäftsführer – zuständig für die Koordination mit den mächtigen Unions-Ministerpräsidenten. Der frühere Vorsitzende der Jungen Union gehört zur Regie der reformfreudigen Modernisierer im Umfeld der Kanzlerin und CDU-Vorsitzenden. Er ist wie andere aus diesem Kreis offen für eine Zusammenarbeit auch mit den Grünen.