Mit Starpower und dem bisher am heftigsten diskutierten Film des Jahres haben die 59. Internationalen Filmfestspiele am Mittwochabend in Cannes begonnen. Zur Weltpremiere des Thrillers "Das Sakrileg" ("The Da Vinci Code") kamen unter anderem Oscar-Preisträger Tom Hanks, die französischen Stars Jean Reno und Audrey Tautou sowie der amerikanische Bestsellerautor Dan Brown in die Festivalstadt am Mittelmeer. Mit mehr als 13.000 Teilnehmern, mit viel Glamour und Filmkunst ist Cannes bis zur Vergabe der Goldenen Palme Ende des Monats wieder die Metropole der Kinobranche.

Die 100 Millionen Dollar teure Hollywood-Produktion "Das Sakrileg" entstand in der Regie von Ron Howard ("Apollo 13") in Paris und Großbritannien. Auch wenn der eher mittelmäßig geratene Thriller kaum neue Bestmarken an den Kinokassen aufstellen wird, zu einem eher nebensächlichen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde hat es schon gereicht: Das ganze Team erreichte die Cote d'Azur in einem "Da Vinci"-Sonderzug von der Waterloo-Station in London ohne Zwischenhalt und stellte damit einen Rekord für die längste Non-Stop-Zugreise auf.

Die Filmhandlung basiert auf einer umfassenden Verschwörungstheorie und dem "größten Geheimnis" der katholischen Kirche: Dass Jesus Christus mit Maria Magdalena ein Kind hatte, dessen Nachfahren heute noch unter uns leben. "Das ist Fiktion, das ist Unterhaltung, das ist ein kommerzielles Unternehmen, das ist kein Dokumentarfilm", betonte Tom Hanks am Nachmittag vor der Presse. Zu diesem Werk der Popkultur passen die Mona-Lisa-Banner, die das Festivalpalais am Strandboulevard La Croisette schmücken: Im Popart-Stil ist das geheimnisumwobene Motiv von Leonardo Da Vinci mal mit kessem Matrosenhut verfremdet, mal mit einer blonden Perücke.

"Das Sakrileg" läuft noch in dieser Woche mit insgesamt 20.000 Kopien weltweit an. Proteste gläubiger Christen gegen den "gotteslästerlichen Inhalt" des Films wie in Italien, Griechenland, den USA oder auf den Philippinen waren in Frankreich nicht zu erwarten. Der für Cannes zuständige Bischof ließ im Vorfeld erklären, er setze mehr auf inhaltliche Auseinandersetzung als auf plakative Aktionen. "Wir sollten unsere Fenster so weit wie möglich öffnen, um frische Luft hereinzulassen - sei es von alten Meistern oder von neuen Regisseuren", gab der Jury-Präsident Wong Kar Wai aus China als Motto für den Wettbewerb aus. Ein Vorsatz, der perfekt für das diesjährige Programm zu passen scheint: Bekannte europäische Namen wie Pedro Almodovar, Ken Loach, Nanni Moretti oder Aki Kaurismäki laufen in der Konkurrenz neben jungen Filmemachern wie Sofia Coppola, Richard Linklater oder Guillermo del Toro. Insgesamt bietet der Wettbewerb 20 Produktionen aus 13 Ländern. Deutsche Filme sind in diesem Jahr nicht dabei, sondern laufen in Nebenreihen.

Zu den kommerziellen Top-Ereignissen des Festivals gehören neben "Das Sakrileg" auch zwei andere große US-Produktionen, die mit viel Rummel auf den Straßen von Cannes beworben werden: Das Effektspektakel "X-Men: The Last Stand" und der Animationsfilm "Over The Hedge" ("Ab durch die Hecke"). Bruce Willis, Halle Berry, Hugh Jackman sollen hier die Fans beglücken. Schon am Tag vor der Eröffnungszeremonie haben sich die treuesten Festivaliers an der legendären Treppe zum Palais mit Trittleitern, Klappstühlen und Thermoskannen eingerichtet, um Abend für Abend das Defilee der schönen Frauen in Abendkleidern und der Männer im Smoking zu bejubeln.