Von Freude war nichts zu spüren. Mit ernster Miene trug EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn im Europaparlament in Straßburg vor, dass Bulgarien und Rumänien zum Januar 2007 Mitglieder der Europäischen Union werden können. Vorausgesetzt, sie machen bis zum Herbst noch Reform-Hausaufgaben, die eigentlich längst hätten erledigt sein sollen. Begeisterung über die Neu-Mitglieder mochte auch bei den Europa-Abgeordneten nicht aufkommen. Und noch am Abend eilten Rehn und der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, nach Sofia und Bukarest, um den dort Regierenden den Ernst der Lage zu erklären - trotz wahrscheinlich baldigen Beitritts.

Nicht das ominöse "Brüssel", nicht irgendwelche entrückten Technokraten in "Europa" und schon gar nicht Rehn sind für den Automatismus der Erweiterung von 25 auf 27 EU-Mitglieder verantwortlich. Die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten waren es, die im Dezember 2002 in Kopenhagen entschieden, die Union habe das Ziel, 2007 auch Bulgarien und Rumänien aufzunehmen. Seither war der Zug unaufhaltbar. "Ein Fehler" der nationalen Regierungen sei das gewesen, sagt die CDU-Europaabgeordnete Doris Pack heute.

In den 2005 unterschriebenen Beitrittsverträgen wurde zwar festgelegt, falls die beiden Kandidaten sich nicht hinreichend auf den EU-Status vorbereiteten, könne der Beitritt auf 2008 verschoben werden. Doch in der Gewissheit, auf jeden Fall spätestens 2008 in die EU aufgenommen zu werden, haben die beiden Neumitglieder nach Ansicht der EU-Kommission in ihren Reformanstrengungen nachgelassen. Zwar lobte Rehn "beispiellosen Wandel" und "beachtliche Anstrengungen". Doch Organisierte Kriminalität, Geldwäsche und mangelnde Kontrolle von EU-Geldern seien immer noch wesentliche Probleme. Der Aufbau einer unabhängigen Justiz sei ungenügend, ebenso der Minderheitenschutz vor allem für die Roma.

So drohte Rehn jetzt vor allem damit, Sofia und Bukarest zwar beitreten zu lassen, jedoch mit Schutzklauseln die Früchte des Beitritts hoch zu hängen: Keine Agrarexporte ohne vernünftige Veterinärkontrollen, keine EU-Gelder ohne ordentliche Buchführung - und das sind nur einige Beispiele.

Die EU-Kommission hat keinen Zweifel daran gelassen, dass sie Rumänien und Bulgarien gerne als Mitglieder Nummer 26 und 27 in der Union sähe. Doch seit der Erweiterung um zehn Staaten vom Mai 2004 hat sich die Welt der EU verändert, nicht nur durch das Scheitern des EU-Verfassungsprojekts. Kritisch wird in vielen Mitgliedsländern die Ausdehnung der EU betrachtet, die mit Kroatien und der Türkei schon über die nächsten Beitritte verhandelt.