Nun ist wieder eine Flüchtlingswelle über Spanien hereingebrochen. Aus Gambia, Mali, Niger und dem Senegal scheinen die Bedauernswerten diesmal zu stammen. Genau weiß das niemand, denn viele verschleiern ihre Herkunft, um der Abschiebung vorzubeugen.

Stets im Sommer schwillt der Strom an. Dann scheint den Migranten der Seeweg weniger gefährlich. Niemand, der sich ernsthaft mit dem Flüchtlingsdrama beschäftigt, hat geglaubt, dass sich nach den Dramen in Ceuta und Melilla die Lage der Afrikaner verbessern würde. Die verschärfte Kontrolle der Hochsicherheitszäune in den spanischen Exklaven und das härtere Vorgehen der marokkanischen Polizei hat indes ein – erwartbares – anderes Ergebnis erbracht. Nun wählen die Flüchtlinge eine wieder andere Route.

Die Kanaren sind schon lange ein Ziel. Im vergangenen Jahr kamen erreichten 4800 Afrikaner die Inseln des ewigen Frühlings. In den ersten vier Monaten dieses Jahres waren es bereits über 6000. Früher ging ihre waghalsige Schifffahrt nur rund hundert Kilometer über das Meer, von der Küste Marokkos zu den nächstgelegenen Inseln Fuerteventura und Lanzarote. Nun legen die Seelenverkäufer viel weiter südlich ab, vor kurzem noch von Mauretaninen, heute vom Senegal. Bald 1500 Kilometer über den offenen Atlantik sind es von diesen afrikanischen Küsten zu den Traumstränden auf den Kanaren.

Die meisten der Flüchtlinge haben die Reise in den kleinen Holzbooten trotz der extremen Bedingungen recht gut überstanden. Bis auf wenige kamen sie bei recht guter Gesundheit an. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sie in Wirklichkeit gar nicht auf den kleinen Nussschalen den weiten Weg übers Meer gefahren sind. Vielmehr dürften sie den Großteil der Seereise auf größeren, solideren Schiffen zurückgelegt haben und erst kurz vor den kanarischen Inseln auf die kleinen Boote umgestiegen sein. Die kleinen Boote waren bei der Ankunft viel zu voll besetzt, als dass sie noch zu Beginn der Reise Proviant und Wasser an Bord verstaut haben könnten. Dies ist noch ein Zeichen für etwas anderes, dass nämlich gut organisierte und bestens ausgestattete Schlepperbanden die Flüchtlinge noch immer im menschenverachtenden Griff haben.

Das andere Drama: Normalerweise schauen wir nicht hin. Die Europäer, die sich nicht scheuen, die Afrikaner bei illegaler Beschäftigung auszubeuten und ihre Frauen in der Prostitution auszunutzen, wollen das Elend einfach nicht wahrhaben. Es drängt sich der Verdacht auf, dass jetzt nur Interesse an der Flüchtlingswelle aufkam, die ja eigentlich ein steter Strom ist, weil wir um die Idylle unsere Urlaubsziele bangen.

Die Miserablen aus dem Nachbarkontinent sollen uns nicht an unseren Traumständen stören.