Vor zwei Tagen erst kaufte die US-Technologiebörse Nasdaq zum vierten Mal innerhalb kurzer Zeit weitere Anteile an der London Stock Exchange (LSE) und erhöhte dadurch ihren Anteil auf 24,1 Prozent. Der Druck auf die Deutsche Börse im Fusionspoker wuchs: Bislang schien den Frankfurtern in ihrem Werben um die Mehrländerbörse Euronext allenfalls mäßiger Erfolg beschieden, und Marktbeobachter sahen sie im Wettlauf der Börsengiganten deutlich im Hintertreffen. Reto Francioni, der Chef der Deutschen Börse, blieb jedoch gelassen.

Möglicherweise nicht ohne Grund, wie sich nun herausstellt: Medienberichten zufolge sind die Deutsche Börse und Euronext in ihren Verhandlungen um eine Fusion bereits am Montag einen entscheidenden Schritt weiter gekommen. Eine offizielle Bestätigung der Beteiligten hierzu gab es allerdings nicht. Ein Euronext-Sprecher sagte lediglich, man prüfe alle Optionen zugunsten der Aktionäre.

Nach Informationen der Financial Times Deutschland  soll die kleinere Euronext im Fall einer Fusion genauso viele Mitglieder in den Aufsichtsrat entsenden können wie die Deutsche Börse. Die Terminbörsen beider Betreiber, Eurex aus Frankfurt und Euronext-Liffe, sollen zusammengelegt und von Frankfurt aus geführt werden. Der Aktienhandel allerdings würde nach Paris ziehen.

Zudem scheint die Deutsche Börse in einem besonders umstrittenen Punkt nachgegeben zu haben: Den Berichten zufolge hat sie zugestimmt, ihr besonders lukratives Abwicklungsgeschäft auszulagern. Künftig soll das Clearing der fusionierten Börsen vereinheitlicht werden. Börsenchef Reto Francioni hatte sich dagegen lange gesträubt, denn gerade ihre besondere Unternehmensstruktur, die es ihr ermöglicht, vom Handel bis zur Abwicklung alles aus einer Hand anzubieten, beschert der Deutschen Börse ihre hohen Gewinne . Doch mit der Abspaltung des Clearinggeschäfts käme man den großen Banken und auch der Europäischen Kommission entgegen. Beide hatten eine Entflechtung der Deutschen Börse gefordert, um Kosten zu reduzieren.

Wie schnell die Umsetzung dieser Pläne gelingt, ist allerdings offen: Während manche Beobachter eine Einigung noch vor der Euronext-Hauptversammlung am 23. Mai erwarten, bremsen andere. Noch sei nichts schriftlich ausgearbeitet, heißt es. Zudem könne die Fusion an den schwierigen juristischen Rahmenbedingungen scheitern.