Grenzenloser Jubel bei der Meisterfeier des FC Bayern München, tiefe Trauer nach einem Abstiegs-Drama beim 1. FC Kaiserslautern, Frustration beim Hamburger SV wegen des verpassten direkten Champions-League-Einzugs und Wirbel um die Finanz-Krise bei Schalke 04: Die 43. Saison der Fußball-Bundesliga ist mit einem Finale furioso zu Ende gegangen, das zugleich den Endspurt bis zum Beginn der Weltmeisterschaft in Deutschland einläutete.

"Wenn man am Ende mit fünf Punkten Vorsprung locker deutscher Meister wird, ist alles wunderbar", resümierte Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge trotz des frühen Champions-League-Aus. Denn national waren die Bayern, die nur am 1. und 9. Spieltag nicht Tabellenführer waren, der Souverän. "Ich weiß nicht, ob es das international schon einmal gegeben hat, dass ein Verein in zwei Jahren vier Titel geholt hat", sagte Münchens Trainer Felix Magath nach dem zweiten Double. Nur die Pfiffe vor dem 3:3 gegen Borussia Dortmund zur Verabschiedung von Michael Ballack, der zum FC Chelsea wechselt, trübten die Meister-Sause. "Ich hatte vier wunderschöne Jahre beim FC Bayern, jetzt suche ich etwas Neues", sagte Ballack.

Katzenjammer herrschte beim HSV, der mit dem 1:2 gegen Werder Bremen dem Nordrivalen Platz zwei überlassen und nun in die Champions-League-Qualifikation muss. "Das ist eine Katastrophe", meinte HSV-Aufsichtsratschef Udo Bandow. "Wir hätten zehn bis zwölf Millionen Euro fest einplanen können." Großen Anteil daran, dass nun die Bremer ordentlich Kasse machen können, hat Werder-Stürmer Miroslav Klose, der mit seinem 25. Saisontreffer Torschützenkönig wurde. "Das war eine perfekte Saison", meinte der 27-jährige Sieg- Garant. Nun will er bei der WM zuschlagen: "2002 habe ich fünf Mal getroffen. Bei dieser WM liegt meine Marke bei sechs Treffern."

Im Abstiegs-Duell reichte ein Tor, um die "Roten Teufel" in die Hölle und zusammen mit dem 1. FC Köln und dem MSV Duisburg in die 2. Liga zu schicken. "Es ist ein tragischer Tag für den 1. FCK", sagte der scheidende Lautern-Chef René C. Jäggi nach dem 2:2 beim VfL Wolfsburg. VfL-Chefcoach Klaus Augenthaler atmete hingegen erleichtert auf: "Die Mannschaft hat mich ein halbes Jahr ganz schön gequält. Jetzt hoffe ich, dass noch Weißbier im Kühlschrank ist."

Ernstere Probleme hat UEFA-Cup-Halbfinalist FC Schalke 04, dessen 3:2 gegen den VfB Stuttgart durch neue Spekulationen über die dramatische Finanzlage des Clubs zur Nebensache wurde. "Das ist Rufmord", wetterte Finanzvorstand Josef Schnusenberg. Ausgelöst hatte diese Reaktion ein Bericht des Magazins "Focus", wonach Schalke seit Monaten am Rande der Zahlungsunfähigkeit stehe und nur durch private Kredite über Wasser gehalten werden könne. "Wir sind nicht pleite, es droht keine Insolvenz", erwiderte Schnusenberg.

Wie Schalke hat auch Bayer 04 Leverkusen (2:2 bei Hannover 96) den UEFA-Cup erreicht. Dabei mussten die Rheinländer eine "Niederlage" einstecken: Dimitar Berbatow, mit 21 Toren zweitbester Liga-Schütze, wechselt zu Tottenham Hotspur und gehört mit Ballack, Tomas Rosicky oder Christian Poulsen zur Riege der prominenten Bundesliga-Abgänge.

Eine böses Saisonende könnte es in der Verlängerung noch für Borussia Mönchengladbachs Chefcoach Horst Köppel geben, der mit seinem Team 2:0 bei Eintracht Frankfurt gewann und mit Tabellenrang zehn die beste Platzierung seit zehn Jahren erreichte. "Wir müssen uns jetzt über die Saison unterhalten, sie besteht ja nicht nur aus diesem 2:0", sagte Borussia-Sportdirektor Peter Pander einen Tag vor der Jahreshauptversammlung. Sollte Köppel abgelöst werden, wäre es die elfte Trainer-Entlassung der Spielzeit 2005/06.

Neben der immensen Fluktuation unter den Coaches zählt die seit Jahren steigende Zuschauer-Zahl in den 18 Stadien zu den Konstanten des Bundesliga-Geschäfts. Mit 12 396 388 Besuchern (Schnitt: 40 511) gab es einen Rekord. Geboten wurden ihnen insgesamt 861 Tore, 29 weniger als in der vorigen Saison, 1285 Karten: 1226 kamen die Profis mit Gelb davon, 26 Mal sahen sie Rot und 33 Mal die Gelb-Rote- Karte.