Wer hat heute noch ein Fünfeinviertel-Zoll-Diskettenlaufwerk? Vielleicht finden sich noch einige Exemplare auf Dachböden, die meisten Nutzer werden jedoch diese Laufwerke nicht mehr besitzen. In ein paar Jahren ist diese Hardware wohl nicht einmal mehr auf den Dachböden, sondern nur noch in Museen zu finden. Dasselbe Phänomen gilt für Generationen von Bandlaufwerke und Festplatten. Sobald ein neuer Zyklus von Speichermedien den Markt erobert, veralten die Vorgänger und mit ihr die abgelegten Daten. Zudem verspricht das Material der digitalen Speichermedien sehr kurze Lebenszeiten. Eine CD ist zehn Jahre haltbar, eine Diskette nur fünf. Die Teilnehmer eines Forschungsprojekts mit dem Namen nestor - Kompetenznetzwerk Langzeitarchivierung fordern deshalb eine neuen Umgang mit Archivierungen. Sie haben ein Memorandum verfasst, in dem sie darauf hinweisen, dass die langfristige Nutzbarkeit digitaler Informationen und damit einen wesentlichen Teil des kulturellen Erbes gefährdet ist. Aufwändige Datenrekonstruktion der anderen Art: Die restaurierte Handschrift von Friedrich Schiller aus dem Rollenbuch "Die Räuber". Die Restaurierung wurde durch eine Spende einer Stiftung von 30.000 Euro ermöglicht

In 18 Grundsätzen fixiert das Memorandum eine deutsche "Langzeitarchivierungs-Policy" in den Themenbereichen "Verantwortung für die Langzeiterhaltung digitaler Informationen", "Auswahl, Verfügbarkeit und Zugriff", "Technische Vorkehrungen" und "Vernetzung und Professionalisierung".
ZEIT online dokumentiert diese Grundsätze:

1. Die Erhaltung digitaler Objekte ist eine Aufgabe von nationaler Bedeutung in einem internationalen Kontext. Die Verantwortlichen in Bund und Ländern, in Kommunen und anderen staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen müssen die Verantwortung für diese Aufgabe anerkennen und übernehmen und durch die jeweiligen Unterhaltsträger sind entsprechende finanzielle Ressourcen bereit zu stellen. Die Finanzierung der digitalen Langzeitarchivierung ist als Daueraufgabe eine Investition in die Zukunft, die für alle Beteiligten verbindlich sein muss.

2. Die Gesetzgeber auf Landes- und Bundesebene müssen die Aufgaben und Ziele der digitalen Langzeitarchivierung in allen relevanten Bereichen der Gesetzgebung unbedingt berücksichtigen. Die Belange der digitalen Langzeitarchivierung erstrecken sich nicht nur auf gesetzliche Regelungen für Archive und Archivbibliotheken. Vielmehr sind sie auch für Fachgesetze relevant, die Entstehung und Lebenszyklus digitaler Objekte regeln.

3. Die digitale Langzeitarchivierung sollte im Rahmen einer verteilten, arbeitsteiligen Kooperation erfolgen. Bestehende Zuständigkeiten in fachlich, geografisch oder institutionell definierten Bereichen müssen wahrgenommen und neue Zuständigkeiten in Absprache verteilt werden. Das Zusammenwirken von Institutionen aus den unterschiedlichen Anwendungsgebieten der digitalen Langzeitarchivierung in Zusammenarbeit mit den Anwendern in der Wirtschaft und der Industrie kann die Entwicklung generischer und nachnutzbarer Lösungen fördern.

4. Die Schaffung einer nachhaltigen Koordinationsstruktur, in der sich die aktiven Institutionen zusammenschließen, ist notwendig. Dabei sollen insbesondere Vorkehrungen getroffen werden, die auch kleineren Institutionen die Übernahme von Aufgaben in der digitalen Langzeitarchivierung ermöglichen. Die einzurichtende beständige Koordinationsstruktur sollte die mit der digitalen Langzeitarchivierung befassten Institutionen unterstützen und vernetzen, Informationen aufbereiten, die Einbindung in die internationale Diskussion organisieren, Forschungsprojekte anregen und begleiten, die Aus- und Fortbildung zum Thema digitale Langzeitarchivierung in Deutschland verbessern und weitere Koordinationsaufgaben im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung übernehmen.