Die holländische Integrationsdebatte schlägt eine neue Volte: Ausgerechnet Ayaan Hirsi Ali , Abgeordnete in Den Haag und umstrittene Islamkritikerin, habe zugegeben, dass sie bei ihrer Einbürgerung falsche Angaben gemacht hat, berichtete jetzt das niederländische Fernsehen. Hirsi Ali sagte dazu, Integrationsministerin Rita Verdonk habe ihr während eines privaten Gesprächs gesagt, sie hätte Hirsi Ali deshalb des Landes verwiesen, wäre sie damals schon zuständig gewesen. Verdonk gehört wie die Islamkritikerin der rechtsliberalen VVD an.

Hirsi Ali, so heißt es weiter, sei 1992 über Deutschland nach Holland gekommen - jedoch nicht direkt aus Somalia, ihrem Heimatland und auf der Flucht vor dem dort herrschenden Bürgerkrieg, sondern aus Kenia. Dort habe sie zuvor 12 Jahre lang als anerkannter Flüchtling gelebt. Nach niederländischem Recht hätte Hirsi Ali nicht im Land bleiben dürfen, hätte sie bei den Behörden die Wahrheit gesagt. Stattdessen wäre sie nach Deutschland zurückgeschickt worden. 1995 wurde sie niederländische Staatsbürgerin.

Nun ist es nicht so, dass Hirsi Ali keine gute Gründe gehabt hätte, um in Europa Zuflucht zu suchen. Sie selbst berichtet, dass sie sich in die Niederlande abgesetzt habe, um einer Zwangsehe zu entgehen. Gleichzeitig gibt sie zu, dass auch ökonomische Gründe sie getrieben haben. Beides ist schon länger bekannt. Hirsi Ali hatte ihre Partei 2003 darüber informiert, bevor sie für das Parlament kandidiert hatte. Sie hatte damals auch berichtet, unter einem falschen Namen eingereist zu sein und ihr wahres Alter verschwiegen zu haben.

Dennoch hat der Fernsehbericht die Integrationsdebatte abermals angefacht. Hilbrand Nawijn, ehemals Abgeordneter der Partei des Rechtspopulisten Pim Fortuyn, zwischenzeitlich Integrationsminister und heute mit einer eigenen kleine Gruppe im  Parlament vertreten, forderte sogar, Hirsi Ali müsse abgeschoben werden. So unsinnig das sein mag: Der Angriff zeigt, wie umstritten die streitbare Politikerin trotz ihrer strengen Haltung im konservativen Lager ist.

Dabei könnte Hirsi Ali eine Ikone der Anhänger schärferer Integrationsgesetze sein.  Die Politikerin nimmt kein Blatt vor dem Mund, wenn es darum geht, Kritik am Islam zu üben. Regelmäßig stößt sie wegen ihrer Wortwahl und ihrer unversöhnlichen Haltung auf Widerspruch und wird von muslimischen Extremisten mit dem Tod bedroht. Der Filmemacher Theo van Gogh, der im November 20004 wegen eines islamkritischen Films von einem Fanatiker mitten in Amsterdam ermordet worden war, war ein enger Freund von ihr. Hirsi Ali musste danach untertauchen und lebt seither unter Polizeischutz.

Dennoch passt ihre streitbare Haltung nicht ins Konzept vieler konservativer Politiker. Denn obwohl Hirsi Ali  beständig gegen Unterdrückungsmethoden argumentiert, die sie ihrer ehemaligen Religion zuspricht, hält sie nicht viel davon, die Einwanderung radikal zu beschränken. Stattdessen sprach sie sich dafür aus, auch so genannte Wirtschaftsflüchtlinge aufzunehmen, von denen man den Eindruck gewonnen habe, sie könnten sich selber eine ökonomische Basis zum Leben schaffen. Gerade erst setzte sie sich auch für eine junge Kosovarin ein, die ausgewiesen wurde, obwohl sie kurz vor dem Abitur stand. Der Grund: Die Frau hatte bei ihrer Einreise falsche Angaben gemacht. Die Ausweisung setzte Rita Verdonk durch. Hirsi Ali dagegen habe nichts mehr zu befürchten, sagte Verdonk in Reaktion auf Nawijn. Immerhin sei das alles doch schon vierzehn Jahre her.