ZEIT online: Wer sein Geld ökologisch oder ethisch sinnvoll anlegen möchte, hat es schwer. Der Markt bietet eine unübersichtliche Vielfalt von Produkten, deren Anbieter allesamt Nachhaltigkeit versprechen – allerdings oft nach ganz unterschiedlichen Kriterien. Worauf müssen Anleger bei nachhaltigen Investments achten?

Butz: Vielen Leuten ist nicht bewusst, dass auch nachhaltige Investments an den normalen Finanzmärkten platziert sind. Die Börse ist ein Teil der Ökonomie. Wer hier investiert, ist gewissen Regeln unterworfen, denn auch die Unternehmen, in die man sein Geld steckt, müssen sich den Regeln der Märkte beugen. Wer ausschließlich ethisch oder ökologisch motiviert ist und mit seinem Geld aus dieser Perspektive möglichst viel erreichen möchte, sollte besser in ein konkretes Projekt spenden. Wer aber mit seinem Geld eine marktkonforme Rendite erzielen möchte und dabei gewisse Nachhaltigkeitskriterien beachten möchte, ist an der Börse richtig.

Vorsichtig sein sollten Anleger bei Produkten, die man als allein selig machend verkauft, als ob man damit die Welt ändern könnte. Das ist nicht seriös. Der Einfluss von ethisch angelegten Geldern auf die Börsenwelt ist - proportional zum investierten Vermögen - noch ziemlich gering. Die Aufmerksamkeit der Medien ist zwar groß, aber Nachhaltigkeitsprodukte haben einen Marktanteil von nur etwa einem Prozent.

ZEIT online: Das heißt, Anleger können Unternehmen kaum beeinflussen?

Butz: Über die Geldlenkung, also die Entscheidung, wo ich mein Geld investiere, nur minimal. Dennoch gibt es Einflussmöglichkeiten, zum Beispiel durch Analysten, die mit Unternehmen in Kontakt stehen, sie auch auf Nachhaltigkeitsaspekte ansprechen und dadurch sensibilisieren. Der aktuelle Stand der Umwelt- oder Sozialberichterstattung ist beachtlich. Die Entwicklung hierhin wurde nicht über die Mengen des investierten Geldes angestoßen, aber über die oben beschriebene Sensibilisierung wurde schon einiges erreicht.

ZEIT online: Nach welchen Kriterien können sich ethisch oder ökologisch orientierte Anleger überhaupt richten, wenn die geringe Menge der nachhaltig angelegten Gelder den Gesamtmarkt kaum beeinflusst?

Butz: Vor allem muss sich der Anleger fragen: Warum möchte ich mein Geld nachhaltig anlegen? Zwei Motivationen kann man unterscheiden. Eine ist die Absicht, die Wirtschaft zu beeinflussen. Doch das ist sehr optimistisch. Die zweite Motivation ist, durch Geldanlage eine Rendite zu erzielen und dabei soweit es geht die eigenen ethischen Prinzipien zu beachten.

ZEIT online: Wie kann man diese beiden Motive, nennen wir es das idealistische und das realistische, in konkrete Kriterien für den Anleger umsetzen?

Butz: Bei ökologischen Investitionen gibt es im Markt einen breiten Konsens. Man prüft, wie umweltverträglich die Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens sind und wie sie hergestellt werden. Je nach Sektor gibt es dafür unterschiedliche Kriterien, so gelten z.B. für Automobilhersteller andere Maßstäbe als für Banken. Das wäre das realistische Modell, denn es schließt – anders als das idealistische – keine Branchen von vornherein aus, sondern wählt die umweltfreundlichsten Unternehmen jeder Branche aus.

Geht es um ethische Investitionen, nutzt man übrigens ein Stakeholder-Modell und schaut, wie gut das Unternehmen auf die Ansprüche unterschiedlicher Gruppen eingeht, etwa der Arbeitnehmer oder der Anteilseigner. Wichtig ist, dass der Anbieter von Anlageprodukten transparent macht, welchen Ansatz er verfolgt. Aber der Anleger muss sich für einen entscheiden.

Ein Beispiel: Nehmen wir ein Produkt A, ob Fonds oder Zertifikat, das zwei oder drei Solarfirmen im Korb hat und sich auch sonst ganz auf erneuerbare Energien konzentriert. Mit Produkt B hingegen investiert der Anleger unter anderem in eine Erdölfirma. Das heißt nicht, dass A das bessere Produkt ist – so einfach ist es nicht. Im ersten Fall investiert man in eine  ideale Zukunft, im zweiten Fall in eine bestmögliche Gegenwart, also in die Vorzeigeunternehmen einiger Sektoren, und je nach Interesse des Anlegers kann das eine oder das andere gut sein.

Im Moment gibt es aus Nachhaltigkeitsperspektive die größten Probleme in Sektoren wie Auto, Chemie oder Erdöl. Schließt man diese aus, kann man keinen Einfluss mehr in diese Branchen nehmen, man steckt also gewissermaßen den Kopf in den Sand. Dadurch, dass man in der Branche die Unternehmen auswählt, die am nachhaltigsten wirtschaften, kann man Veränderungen zum Positiven hin unterstützen.